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Quer durch Galerien

Den Letzten beißt die Kuh

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!An ein Rindvieh mit Werwolfsymptomen, das der Zoologe wohl "Bos horribilis" (Horrorkuh) nennen müsste, werden zwar nicht viele Menschen glauben - trotz BSE. Aber wenn Ihre Kuh dennoch plötzlich Faschiertes wiederkäut, dann sollten Sie sich ihr nicht mehr so zutraulich nähern wie bisher. Das ist aber nicht die eigentliche Moral von der Geschicht' im Keller der Galerie Kargl (Schleifmühlgasse 5, bis 20. August).
Mark Dion hat den Speiseplan der Kuh erweitert, sie nämlich mit dem Killerinstinkt ausgestattet (allerdings erst nach dem Tod der Kuh). Einem Kuhskelett hat er einfach einen Bärenschädel aufgesetzt. Und präsentiert uns nun den leicht zu durchschauenden zoologischen Schwindel in einem reißerisch aufgemachten Schaustellerzelt als den "Schrecken von Transsylvanien". Gemma Monster schaun!
Dion kopiert die - mitunter befremdlichen - Umgangsformen, die der "zivilisierte Mensch" den Tieren und der Natur gegenüber an den Tag legt. Insbesondere die naturwissenschaftliche Schaulust (der, wie man ihn nennen könnte: "Discovery-Channel-Voyeurismus") hat es ihm angetan. Wie in jener gekonnt tragikomischen Zeichnung, wo er mit wissenschaftlicher Kaltblütigkeit die Überreste eines Schiffbruchs penibel beschriftet, also klassifiziert.
Ein Glanzstück: Sein total "authentischer" Büffel, der zur Ortsveränderung aber ein Auto braucht, das ihn nachzieht. Hier wird ein ausgestopfter Waldbison post mortem "artgerecht" gehalten (wie im naturkundlichen Museum), also auf echtem Waldboden (sogar mit Schwammerln). Und die hübsche Szenerie voller "Bioromantik" ist in einen seitlich offenen Autoanhänger gepackt. Ein Büffel mit Umgebung, wie mit dem Spaten aus der unverfälschten amerikanischen Wildnis ausgestochen und für den Versand eingepackt. Was Dion fast anzüglich "Mobile Wildnis-Einheit" nennt, ist ein leicht zu bewältigendes Pensum "Natur", das beim "unnatürlichen" Städter vorbeischaut und ihn nicht überfordert. Erinnert im Prinzip an Damien Hirsts toten Tigerhai im Aquarium (eine überschaubare Portion "unendliches Meer"), wo der vermeintlich natürliche Lebensraum (Wasser) in Wirklichkeit Formaldehyd ist. So gesehen ist das Aquarium bloß eine Fischkonserve. Und auch in Dions fahrbarer "Büffelkonserve" wird ja eigentlich der Tod und nicht das Leben konserviert. Insgesamt imposante Objekte, die durch ihre unerhörte Präsenz und die authentischen Materialien eine geradezu magische Anziehungskraft besitzen.
Die Galerie Hilger (Dorotheergasse 5) ist 30, deshalb hat Ernst Hilger aus dem Galeristenbauch heraus eine Ausstellung zusammengestellt (Hilger: "Das Risiko des eigenen Geschmacks muss doch noch irgendwie erhalten bleiben"). Da sind die "alten Hasen" (Picasso, Warhol usw.) und die neuen "Berliner Bären" von Ottmar Hörl. Kein Berlinalen-Bär, also kein goldener oder silberner, sondern ein "gartenzwergischer", insofern als er knallrot und aus Plastik ist. Viel sinnlicher als eine Armbanduhr, aber weniger genau: Guiseppe Gallos Skulpturen mit Löchern für die Sonnenstrahlen. Die gehören eigentlich raus unter die Sonne und nicht unter die Glühbirne, weil der "Glühbirnenstand" im Raum ja meistens gleich ist. Bis 17. August.

Erschienen am: 10.08.2001

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