Engagiert und weltoffen

Die Berufung des temperamentvollen und politisch engagierten Nigerianers zum Leiter der Kasseler Weltkunstschau wurde allgemein als Zeichen für eine Horizont-Erweiterung verstanden.


Der Afro-Amerikaner Okwui Enwezor (38) ist der erste nicht aus Europa stammende Leiter der Kasseler Weltkunstausstellung documenta. Der Dichter, Kunstkritiker und Ausstellungsmacher wurde 1963 in Nigeria geboren. 1982 ging er in die USA, um dort Literatur und Politik zu studieren. Seitdem lebt er in New York und besitzt zusätzlich zur nigerianischen auch die amerikanische Staatsangehörigkeit.

Okwui Enwezor / ©Bild: APA
Okwui Enwezor / ©Bild: APA

Enwezor machte sich zunächst als Lyriker, Literaturkritiker und Essayist einen Namen. Seit 1989 war er als Kurator für zahlreiche Kunstschauen verantwortlich. Unter anderem leitete er 1997 die viel beachtete Biennale in Johannesburg.

"The Short Century" in München

Im Vorjahr präsentierte er in München die Schau "The Short Century" über afrikanische Unabhängigkeitsbewegungen aus der Sicht von Künstlern, Literaten, Musikern, Architekten und Filmern. 1993 gründete er das Magazin "Nka", das als wichtigstes Medium zeitgenössischer afrikanischer Kunst gilt.

Zeichen für Horizont-Erweiterung

Bereits kurz nach seiner Ernennung im Jahre 1998 hatte Enwezor klar gemacht, dass er die bislang einseitig westliche Ausrichtung der documenta aufbrechen wolle. Zur Kunst kam Okwui Enwezor nach eigener Darstellung eher zufällig über Freunde und Ausstellungsbesuche.

Seinen gesellschaftskritischen Anspruch demonstrierte er, indem er mit Diskussions-Plattformen in verschiedenen Kontinenten zunächst die Debatte um die sozialen und politischen Rahmenbedingungen künstlerischer Produktion auf die Tagesordnung setzte.

Radio &sterreich 1