Salzburger Nachrichten am 20. Oktober 2005 - Bereich: Kultur
Linz will seine Museen klar positionieren

Stella Rollig als Lentos-Direktorin steht vorerst nicht zur Disposition

LINZ (SN-hb). Zur "Versachlichung der Diskussion" angesichts schlechter "Verkaufswerte" im Kunstmuseum Lentos, aber auch im Stadtmuseum Nordico versammelten sich am Mittwoch Linzer Kommunalpolitiker, um vor der Pressepräsentation der neuen Ausstellung von Matt Mullican im Lentos die Medien über die "Zukunft der Museen der Stadt Linz" zu informieren.

Vizebürgermeister und Kulturreferent Erich Watzl (ÖVP) kündigte auf der Basis einer Sitzung des Verwaltungsausschusses an, in einer Systemanalyse eine Bestandsaufnahme der Museumslandschaft zu machen. Diese soll bis Mitte Dezember vorliegen. Darauf aufbauend sollen bis März 2006 neue Szenarien und mittelfristige Perspektiven entwickelt und davon abgeleitet neue strategische Ziele formuliert werden.

Hintergrund für diese Initiative war der Streit um mangelnden Erfolg von Lentos-Direktorin Stella Rollig. Übereinstimmend sagten am Mittwoch Politiker von SPÖ, ÖVP und Grünen, es werde im Lentos "mit klar definiertem Hintergrund" gearbeitet und die Stadt habe "einen klaren Vertrag" mit Rollig (bis 2009). Man habe ihr den Auftrag erteilt, das Lentos als "Haus der Zeitgenossenschaft" zu führen, bekräftigte die Direktorin. Wenn Linz als "Labor der Zukunft" für die Kulturhauptstadt 2009 punkten wolle, sei es gut, dass nun ein "Diskussionsprozess" beginne. Sollte man das Lentos aber so positionieren wollen "wie etwa die Hypo-Kunsthalle in München", dann sei sie dafür nicht die richtige Person.

Über Inhalte sollte nach der Analyse gesprochen werden, sagten die Politiker, die vorerst offenbar weder an der Position Rolligs noch an ihrem Konzept rütteln wollen. Dennoch müsse es erlaubt sein, zwischendurch die Entwicklungen zu beobachten und zu evaluieren. Besucherzahlen seien dabei nur ein Indikator. Wichtig sei, Zugänge zur zeitgenössischen Kunst für möglichst viele Menschen zu schaffen.

Jedenfalls, sagte der grüne Stadtrat Himmelbauer, beginne jetzt erst "der steinige Weg".