Déjà vu: 1984 zeigte Walter Koschatzky in der Albertina Florenti na
Pakostas "Charakterköpfe". "Stille Aggressivität" fand
"Presse"-Kunstkritiker Kristian Sotriffer damals in diesen
"Superporträts", die einen "Typus zwischen Heldenbild und Karikatur"
bilden. 2003 zeigt Klaus Albrecht Schröder Pakostas Köpfe wieder,
gemeinsam mit den "Händen" und "Satirischen Blättern". Nach Robert Longos
Freud-Zyklus und einer Kurz-Ausstellung von Bildern des unter den
Albertina-Sponsoren als Patron aufgelisteten Unternehmers und Malers
Gerhard Weisshappel ist es die dritte Ausstellung in der Pfeilerhalle seit
der Wiedereröffnung.
Anlass ist der 70. Geburtstag Pakostas, immerhin ein
guter Grund, der die Wiederholung nobel erklärt, aber nicht unbedingt
entschuldigt. Denn Schröder beschränkt sich in der Ausstellung auf die
drei bekanntesten Werkzyklen Pakostas, alle entstanden in den 70er und
80er Jahren. Darunter auch Pakostas Auseinandersetzung mit Franz Xaver
Messerschmidts Charakterköpfen. Nur, wer kennt dagegen die seit 1989
entstandenen trikoloren Bilder der Künstlerin, die Elfriede Jelinek etwa
zu einem flammenden Brief an Pakosta hinrissen? Es wäre eine spannende
Gelegenheit gewesen, eine Entwicklung zu zeigen und nicht immer um einen
Höhepunkt zu kreisen.
Dieser Höhepunkt hat es trotz allem aber immer noch in
sich: Den Pakt der Männer mit der Macht prangerte Pakosta in diesen
aggressiven Zeichnungen an. Eine Problematik, die sich auch in den letzten
20 Jahren nicht wesentlich verbessert hat, nur besser verdrängt wird.
Kämpferische Feministinnen werden heute genauso leichtfertig als
"altmodisch" abgestempelt wie die angeblich so nervenden Mahner gegen das
Ewiggestrige. Man denke nur an die marginale Zahl der Museumsdirektorinnen
in Österreich. Ein Schicksal, das die Frauen auch am Kunstmarkt trifft.
"Wäre die Pakosta ein Mann, so würde sie berühmt sein", entschlüpfte es
einmal Adolf Frohner über die Kollegin, die 1978 erstmals in einer
Ausstellung die weiblichen Secessions-Mitglieder zusammenbrachte.
Anfeindungen folgten.
Brutal und direkt starrt jetzt also in der Albertina das
immer gleiche, glatzköpfige Männergesicht aus Pakostas schraffierten und
modellierten Proto-Porträts. Grinsend, arrogant, traurig - alles hohle,
gewaltige Masken der Macht. Scheren und Sägen wachsen statt Mündern, aus
der Stirn ragt eine Pistole, plakative aber eindringliche Symbolik einer
Künstlerin, die unter ähnlichen Realitäten leiden musste. "Die
Gesellschaft ist eine Männergesellschaft, der auch Frauen beitreten
können", so Pakosta zynisch. Da bleibt wohl nur, danke zu sagen.
Bis 28. August. Täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch 10 bis 21
Uhr.
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