
Und die Leere von Film und Realraum kann sich - derart animiert - jetzt jeder selbst ausmalen: Wird da etwa darauf verwiesen, dass Teppichknüpfen klein anfängt, dann irre lang sehr viel Arbeit ist, und das fertige Produkt dann von Kapitalisten der sicher bittere Not leidenden Handwerkerin entrissen wird, die aber immerhin so viel daran verdient, sich für die nächste Knüpfrunde zu stärken?
Oder geht es da um eine Ornamentdebatte? Oder vielleicht doch um Mittel und Möglichkeiten der Bildproduktion samt anschließender Reproduktion im Wandel der Zeiten und Ideologien unter besonderer Berücksichtigung des giergespeisten Aufeinanderprallens der Kulturen? Oder sollte diese Teppichstudie gar zur Entschleunigung der Bilderflut beitragen oder einfach nur den Blick für das Detail schärfen? Oder hat doch die Secession Recht, wenn sie einleitend vorgibt, es handelte sich dabei um ein typisches Beispiel für die "Rückbindung der Fotografie an das Fotografierte"?!
Möglich, denn Christopher Williams, der im Verein mit den Filmemachern das ganze Haus bespielt, macht Fotos, die ausschauen, als wären sie älter, als sie tatsächlich sind. Und wie immer, wenn etwas nur scheinbar klassisch ist, stellt sich dann sofort die Frage nach dem Warum und dem Wieso und natürlich nach der Ideologie, die dem Vorbild zugrunde liegt, und jener, die das kritische Nachbild bestimmt. Man entdeckt also im Lauf der Zeit, dass die 60er-Jahre-Ästhetik einer Duschkabinenwerbung bewusst falsch zitiert wurde, und nimmt sich vor, in Zukunft besser aufzupassen. (mm/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 11. 2005)