VON CHRISTA
DIETRICH
Schruns (VN) Im Sommer habe man sich immer an der Ill getroffen,
erzählt Marcel Kessler. Es waren sogar Jugendliche aus Thailand und
Neuseeland dabei. Der Platz wurde nun kaputt gemacht - verstellt,
der Zugang behindert.
"Ausgesperrt?" lautet der Titel eines Filmes, den Jugendliche aus
Schruns drehten und - so hart das auch klingt Ö, so fühlen sie sich
auch. Marcel Kessler ist 19 Jahre alt und hat gerade seine Lehre
abgeschlossen. "Wir würden ja gerne da bleiben, aber für uns wird
nichts gemacht", sagt er. Was Marcel Kessler und seinen Kollegen in
erster Linie abgeht, ist ein Kulturangebot, ist ein Platz, an dem
man sich treffen kann. "Bei uns gibt es nur die üblichen Cafés". An
der Ill hatte man sich ein Refugium geschaffen, dort sind sogar
künstlerische Arbeiten ent standen - Skulpturen aus Stei nen, aus
vorgefundenem Ma terial.
Perspektiven schaffen
Auf seinem Weg als Jungfilmer durch das Dorf hat er viele
Gleichgesinnte getroffen, nur der Bürgermeister habe sich um die
Antwort, was jungen Menschen hier denn überhaupt geboten wird, mit
dem Verweis auf einen zu errichtenden Jugendraum gedrückt. "Da gibt
es aber noch nichts Konkretes", erklärt der junge Schrunser, der
meint, dass die Montafoner seiner Generation ja ganz gerne im Tal
bleiben wollen, "weil sie sich der Heimat verbunden fühlen".
Fehlende Arbeitsplätze seien es nicht, was fehlt, sind andere
Dinge - geistige Auseinandersetzung, Theater, Musik, die Jugendliche
hören wollen - Perspektiven.
Soziologische und gesellschaftspolitische Themen beschäftigen den
Vorarlberger Künstler Stoph Sauter schon seit langem. Gemeinsam mit
seiner Frau (das Künstlerduo trat zuletzt unter dem Namen CeCe
Sauter auf) hat er die Ausarbeitung des Bildmaterials übernommen.
Sauter war auch beim international erfolgreichen Film über Edmund
Kalb beteiligt und erkennt im gelieferten Material wachrüttelndes
Potenzial, das die Defizite an solchen Orten aufzeigt. "Was die
jungen Menschen hier artikulieren, verweist auch auf die
grundsätzliche Stimmung im Ort. Dabei lieben diese Jugendlichen ihre
Heimat."
Pädagoge Bruno Winkler hat das Projekt initiiert. Das
Filmmaterial haben die jungen Menschen dann allein erstellt. In
ihrer Sprache. Vernehmen wird man sie demnächst. In Schruns, an
einem Ort, der zurzeit mit Plakaten von Halli-Galli- und
Schnulzen-Events zugepflastert ist. Ob das wohl jemanden zum
Nachdenken anregt?
Projektteam:
Johannes Ganahl, Marcel Kessler, Miriam Piske, Anna-Lena Schlatter,
Anna-Maria Stemer, Claudia Stemer
Projektleitung: Bruno Winkler
Künstlerische Leitung:
Christine und Stoph Sauter, Lustenau
Kooperation: Marktgemeinde Schruns, Kulturverein Illitz
Projektförderung: Landesregierung, Büro für Kulturvermittlung
Wien, Marktgemeinde Schruns, Sparkassa Bludenz, Hotel Zimba, Schruns