VN Sa, 6.12.2003

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Kultur 

Kein Platz für die Jungen

VON CHRISTA DIETRICH

Schruns (VN) Im Sommer habe man sich immer an der Ill getroffen, erzählt Marcel Kessler. Es waren sogar Jugendliche aus Thailand und Neuseeland dabei. Der Platz wurde nun kaputt gemacht - verstellt, der Zugang behindert.

"Ausgesperrt?" lautet der Titel eines Filmes, den Jugendliche aus Schruns drehten und - so hart das auch klingt Ö, so fühlen sie sich auch. Marcel Kessler ist 19 Jahre alt und hat gerade seine Lehre abgeschlossen. "Wir würden ja gerne da bleiben, aber für uns wird nichts gemacht", sagt er. Was Marcel Kessler und seinen Kollegen in erster Linie abgeht, ist ein Kulturangebot, ist ein Platz, an dem man sich treffen kann. "Bei uns gibt es nur die üblichen Cafés". An der Ill hatte man sich ein Refugium geschaffen, dort sind sogar künstlerische Arbeiten ent standen - Skulpturen aus Stei nen, aus vorgefundenem Ma terial.

Perspektiven schaffen

Auf seinem Weg als Jungfilmer durch das Dorf hat er viele Gleichgesinnte getroffen, nur der Bürgermeister habe sich um die Antwort, was jungen Menschen hier denn überhaupt geboten wird, mit dem Verweis auf einen zu errichtenden Jugendraum gedrückt. "Da gibt es aber noch nichts Konkretes", erklärt der junge Schrunser, der meint, dass die Montafoner seiner Generation ja ganz gerne im Tal bleiben wollen, "weil sie sich der Heimat verbunden fühlen".

Fehlende Arbeitsplätze seien es nicht, was fehlt, sind andere Dinge - geistige Auseinandersetzung, Theater, Musik, die Jugendliche hören wollen - Perspektiven.

Soziologische und gesellschaftspolitische Themen beschäftigen den Vorarlberger Künstler Stoph Sauter schon seit langem. Gemeinsam mit seiner Frau (das Künstlerduo trat zuletzt unter dem Namen CeCe Sauter auf) hat er die Ausarbeitung des Bildmaterials übernommen.

Sauter war auch beim international erfolgreichen Film über Edmund Kalb beteiligt und erkennt im gelieferten Material wachrüttelndes Potenzial, das die Defizite an solchen Orten aufzeigt. "Was die jungen Menschen hier artikulieren, verweist auch auf die grundsätzliche Stimmung im Ort. Dabei lieben diese Jugendlichen ihre Heimat."

Pädagoge Bruno Winkler hat das Projekt initiiert. Das Filmmaterial haben die jungen Menschen dann allein erstellt. In ihrer Sprache. Vernehmen wird man sie demnächst. In Schruns, an einem Ort, der zurzeit mit Plakaten von Halli-Galli- und Schnulzen-Events zugepflastert ist. Ob das wohl jemanden zum Nachdenken anregt?

E-MAIL: christa.dietrich@vn.vol.at Der Film "Ausgesperrt?" wird am 13. Dezember, 19.30 Uhr, im Kultursaal in Schruns aufgeführt. Anschließend ist er einige Tage lang in einem Schaufenster im Ortszentrum zu sehen.

"Ausgesperrt?"

Projektteam: Johannes Ganahl, Marcel Kessler, Miriam Piske, Anna-Lena Schlatter, Anna-Maria Stemer, Claudia Stemer

Projektleitung: Bruno Winkler

Künstlerische Leitung:

Christine und Stoph Sauter, Lustenau

Kooperation: Marktgemeinde Schruns, Kulturverein Illitz

Projektförderung: Landesregierung, Büro für Kulturvermittlung Wien, Marktgemeinde Schruns, Sparkassa Bludenz, Hotel Zimba, Schruns

Die Schrunser Jugend würde gerne im Montafon bleiben - wenn . . . (Fotos: Szenen aus dem Film)

Der Film soll diesen verkorksten Montafonern vermitteln, dass eben auch Jugendliche hier wohnen. Und zwar gerne.

MARCEL KESSLER

Jugendliche haben ihre eigene Sprache. Umso schöner, wenn diese mit einem solchen Projekt sicht- und hörbar wird.

BRUNO WINKLER

Diese Jugendlichen lieben ihre Heimat. Es geht aber darum, ihnen Perspektiven zu geben.

STOPH SAUTER

. . . entstanden solche Objekte.

Beim Treffen an der Ill . . .




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