VN Fr, 14.5.2004

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Kultur 

AUSSTELLUNG IM BREGENZER MAGAZIN 4

Eine Sekunde ist alles und nichts

Der slowakische Künstler Boris Ondreicka im Magazin 4

Bregenz (VN-ag) Den kleinen Zwischenräumen im Leben spürt der slowakische Künstler Boris Ondreicka nach. Seine Arbeit im Magazin 4 beschäftigt sich mit einem besonderen Moment und sie tut es lautstark: "One Second/Out of Time" thematisiert das Phänomen der ersten Sekunde im Wahrnehmungsprozess.

Im Sport hat eine Sekunde Fetischcharakter. In der Kunst dürfen die Dinge dauern.

Formal reduziert, nimmt sich die Anordnung von insgesamt sechzehn Tischen, Rücken an Rücken aneinander gereiht, durch "Wände" aus Styropor in einzelne Abteile getrennt, aus. Was an eine Situation wie in einer Bibliothek oder einem Sprachlabor erinnert, entpuppt sich als sehr präsenter, markanter Eingriff im Raum. Und das nicht allein durch die Beziehung zur Architektur und zum Ort, die der Künstler anstrebt, der als Schlüsselfigur in der jungen slowakischen Kunstszene gilt und im Magazin 4 seine erste Ausstellung in Österreich bestreitet.

Bregenz-Bratislava

Dominant ist vor allem der Sound. Er stammt mit dem Song "Roots Bloody Roots" von der brasilianischen Heavy-Metal-Band Sepultura und wurde aufgrund seiner kraftvollen Emotion und der Energie, die er transportiert, ausgewählt. Sequenzen aus dem Song, meist nur eine Sekunde lang, sampelt der Künstler zu verschiedenen, sich akustisch im Raum überlagernden Loops. Während einige der Abteile nur mit Lautsprechern bestückt sind, gibt es in anderen auch wirklich etwas zu sehen: roten und grünen Stoff, einen rot-grünen Ventilator, Videos oder ein verspiegeltes Kompartiment. Geradezu geschwätzig nimmt sich eine Nische aus, die Ondreicka mit einer Landkarte (zwischen Bregenz und Bratislava verläuft eine Verbindungslinie, ein Pfeil weist auf Brasilien), Notizen, Ausschnitten, Zeichnungen, Farbkreisen u. a. m. "tapeziert" hat. Was als Links zu seiner Person und seinem Umfeld gedeutet werden kann, erschließt aber auch die aktuelle Arbeit ein Stück weit. Vom Künstler aufgrund ihrer Lebendigkeit nicht "Installation" sondern "Situation" genannt, beschäftigt sich Ondreicka mit Gegensätzlichem, mit Dingen, die sich gegenüberstehen. Wie die Komplementärfarben Rot und Grün, für die er nicht nur Ittens Farblehre zitiert, sondern die bildlich in "Roots Bloody Roots" auftauchen, als aktive Farben gelten und für Blut und Natur stehen.

Komplexes Gefüge

Trotz der zwei Farbkleckse hat Ondreicka aber keinen Moment die pure Ästhetik im Visier. "One Second/Out of Time" ist denn auch weniger ein Fest fürs Auge als vielmehr ein komplexes Gefüge für Ohren und Gehirn, auf das man sich auf allen Ebenen einlassen muss.

Die Ausstellung "One Second/Out of Time" ist im Magazin 4 in Bregenz bis 27. Juni zu sehen, geöffnet Mittwoch bis Freitag, 16 bis 19, Samstag, Sonn- und Feiertag, 12 bis 16 Uhr.

ZUR PERSON

Boris Ondreicka Geboren: 1969 in Zlate Moravce Ausbildung: Kunstakademie in Bratislava und Norwich Ausstellungen: In der Slowakei, Tschechien, Deutschland, Belgien Weitere Tätigkeiten: Sänger und Texter einer Musikband, Gründer eines Kunstzentrums Wohnort: Bratislava

"Situation" von Ondreicka im Bregenzer Magazin 4. (Foto: ag)




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