Bregenz (VN-ag) Den kleinen Zwischenräumen im Leben spürt der
slowakische Künstler Boris Ondreicka nach. Seine Arbeit im Magazin 4
beschäftigt sich mit einem besonderen Moment und sie tut es
lautstark: "One Second/Out of Time" thematisiert das Phänomen der
ersten Sekunde im Wahrnehmungsprozess.
Im Sport hat eine Sekunde Fetischcharakter. In der Kunst dürfen
die Dinge dauern.
Formal reduziert, nimmt sich die Anordnung von insgesamt sechzehn
Tischen, Rücken an Rücken aneinander gereiht, durch "Wände" aus
Styropor in einzelne Abteile getrennt, aus. Was an eine Situation
wie in einer Bibliothek oder einem Sprachlabor erinnert, entpuppt
sich als sehr präsenter, markanter Eingriff im Raum. Und das nicht
allein durch die Beziehung zur Architektur und zum Ort, die der
Künstler anstrebt, der als Schlüsselfigur in der jungen slowakischen
Kunstszene gilt und im Magazin 4 seine erste Ausstellung in
Österreich bestreitet.
Bregenz-Bratislava
Dominant ist vor allem der Sound. Er stammt mit dem Song "Roots
Bloody Roots" von der brasilianischen Heavy-Metal-Band Sepultura und
wurde aufgrund seiner kraftvollen Emotion und der Energie, die er
transportiert, ausgewählt. Sequenzen aus dem Song, meist nur eine
Sekunde lang, sampelt der Künstler zu verschiedenen, sich akustisch
im Raum überlagernden Loops. Während einige der Abteile nur mit
Lautsprechern bestückt sind, gibt es in anderen auch wirklich etwas
zu sehen: roten und grünen Stoff, einen rot-grünen Ventilator,
Videos oder ein verspiegeltes Kompartiment. Geradezu geschwätzig
nimmt sich eine Nische aus, die Ondreicka mit einer Landkarte
(zwischen Bregenz und Bratislava verläuft eine Verbindungslinie, ein
Pfeil weist auf Brasilien), Notizen, Ausschnitten, Zeichnungen,
Farbkreisen u. a. m. "tapeziert" hat. Was als Links zu seiner Person
und seinem Umfeld gedeutet werden kann, erschließt aber auch die
aktuelle Arbeit ein Stück weit. Vom Künstler aufgrund ihrer
Lebendigkeit nicht "Installation" sondern "Situation" genannt,
beschäftigt sich Ondreicka mit Gegensätzlichem, mit Dingen, die sich
gegenüberstehen. Wie die Komplementärfarben Rot und Grün, für die er
nicht nur Ittens Farblehre zitiert, sondern die bildlich in "Roots
Bloody Roots" auftauchen, als aktive Farben gelten und für Blut und
Natur stehen.