Salzburger Nachrichten am 5. Oktober 2005 - Bereich: kultur
Wien und Paris tauschen große Kunst

Klimt, Schiele, Kokoschka im Grand Palais, französische Meister bei Leopold

PARIS (SN, APA, dpa). Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren ist in Paris Gustav Klimt, Egon Schiele, Oskar Kokoschka und Koloman Moser eine große Sammelausstellung gewidmet, die heute, Mittwoch, im Grand Palais ihre Tore öffnet. Zu sehen sind 91 Gemälde und 55 Zeichnungen aus der Zeit zwischen 1890 und 1918. Mit einer Ausnahme handelt es sich bei allen präsentierten Werken um Leihgaben aus Österreich, Deutschland, Italien und den Vereinigten Staaten. Die Schau wurde vom französischen Museumsverband organisiert und vom Luxuskonzern LVMH gesponsert.

Die letzte ähnliche Schau organisierte 1986 das Pariser Centre Pompidou unter dem Titel "Wien 1880-1938: Geburt eines Jahrhunderts". Werke von Klimt, Schiele und Kokoschka waren danach noch 1995 anlässlich eines Österreich-Festivals in Rouen zu sehen.

Die Schau im Grand Palais bietet die rare Gelegenheit, Bilder von Klimt zu bewundern, die normalerweise über die ganze Welt verstreut sind. So präsentiert die Pariser Ausstellung etwa die aus Washington angereiste "Danae", die aus Venedig gekommene "Judith II" oder das Porträt der Serena Leder aus New York. Wichtigster Leihgeber ist das Leopold Museum in Wien.

Dieses erhielt, wie berichtet, im Gegenzug Meisterwerke der französischen Malerei. Rund 40 Gemälde, großteils von Impressionisten und Künstlern wie van Gogh, Gauguin und Cezanne sind bis 30. Jänner 2006 in Wien zu sehen, darunter teils nie zuvor in Österreich gezeigte Bilder wie van Goghs berühmte "Sternennacht" oder "Die Tanzstunde" von Degas. Nie zuvor hat das Musée d'Orsay, Sitz der größten Impressionisten-Sammlung Frankreichs, so viele Exponate an einen Leihgeber verliehen.

Das Pariser Grand Palais in neuem Glanz In Paris sind aber auch die Räume bemerkenswert, in denen die Werke Klimts, Schieles, Kokoschkas und Koloman Mosers bis zum 23. Jänner 2006 ausgestellt werden. Das Grand Palais hat nach zwölfjährigen Renovierungsarbeiten erst Mitte September wieder seine Tore geöffnet. Das im Stil der Belle Epoque errichtete Gebäude wurde anlässlich der Pariser Weltausstellung 1900 an der Avenue Churchill erbaut. 1993 war eine Glasscheibe aus 45 Metern Höhe vom Dach gefallen. Obwohl niemand verletzt wurde, ließen die Verantwortlichen die Haupthalle schließen.

Mehr als 6000 Tonnen Stahl, 16.000 Quadratmeter Fensterfläche und 100 Millionen Euro waren notwendig, um die herrliche Kuppel und Ausstellungshalle in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. 7000 Originaldokumente wie Pläne, Zeichnungen und Fotos dienten als Grundlage der Restaurierung. Sogar die Originalfarbe der Metallstruktur, ein Blassgrün, das bald in die Farbenskala als "Vert Grand Palais" aufgenommen werden dürfte, konnte herausgefunden werden, erklärte einer der Verantwortlichen des Mammutprojekts.

Die Renovierung der 240 Meter langen seitlichen Kolonnaden, hinter denen sich ein Mosaikfries entlangzieht, wird voraussichtlich Ende 2007 fertig gestellt werden.