
"Manchmal können wir unseren Sohn und unsere Tochter noch nicht einmal an den Wochenenden sehen. Ich finde das höllisch." - Sagt sie.
"Ein geordnetes Familienleben kann ich mir nicht vorstellen." - Sagt er.
Und sie: "Wir sind oft unterschiedlicher Meinung, und ich kann nur sagen: zum Glück." - Passagen aus einem Interview, das Ruth Noack und Roger M. Buergel kürzlich der "Zeit" gegeben haben. Einmal mehr lautete die Frage: Die 12. documenta in Kassel kuratieren und gleichzeitig auch in privater Lebensgemeinschaft füreinander einstehen - wie geht das?
Seit 20 Jahren sind Noack (43) und Buergel (45) ein Paar und gestalten gemeinsam Ausstellungen zu Kunst, Gesellschaft und Politik, in denen sich Theorie und konkrete Lust an der Anschaulichkeit avanciert verbinden sollen. Und seit die beiden im Dezember 2003 ins Führungsteam der documenta berufen wurden - Buergel als künstlerischer Leiter, Noack als Kuratorin -, können sie erst recht symbolkräftig vorführen, was Arbeit und Leben sein könn(t)en: vitale Auseinandersetzung mit Widersprüchen, konstruktiver Gedankenaustausch. "Geteilte Erfahrungen": Das sei es, was sie bei ihren Freunden am meisten schätze, schrieb Noack einmal. Zumindest hier dürfte sie mit Buergel einig sein.
Dass beide wesentliche Phasen ihrer kulturellen und privaten Sozialisation in Österreich vollzogen, wurde vor allem in heimischen Medien oft und gerne vermeldet. Tatsächlich haben sie in Wien studiert - er, ursprünglich in Hamburg und Bremen aufgewachsen, Malerei, Philosophie, Wirtschaftswissenschaften, sie Kunstgeschichte - und wesentliche Wiener Weggefährten haben sie auch ins documenta-Team aufgenommen. Filmmuseumsdirektor Alexander Horwath etwa kuratiert die Kinoschiene der documenta. Der Kritiker Georg Schöllhammer hat für das 100-tägige Kasseler Spektakel die begleitende Vernetzung von internationalen Kunstmagazinen übernommen.
Das, was er nicht könne, delegiere er gerne, sagte Buergel einmal. Andererseits meinte er aber auch schon: "Ich mache nie das, was ich kann." Für Außenstehende wirkt es mitunter so, als ob er sich in seinen eigenen Widersprüchlichkeiten genussvoll ergehe - und dass Noack ihn dabei durchaus mütterlich beschützt und antreibt. Unvergesslich eine Pressekonferenz zur Ausstellung "Die Regierung" in der Wiener Secession, bei der sie ihren Partner doch recht inständig zu einer repräsentativen Performance ermunterte: "Roger, möchtest du vielleicht noch ein wenig über Michel Foucault sprechen?"
Da sprach er dann ein wenig. Und hinter das, was er sagt, setzt sie nachher wieder Fragezeichen. "Bei uns ist es fast schon ritualisiert, die Verhältnisse infrage zu stellen." (Claus Philipp / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.6.2007)