„Dann baue ich eine Welt auf“
Porträt. Der Salzburger Maler und Bildhauer Johann Weyringer hat für die SN seinen „Lichtblick“ geschaffen.
Sylvia Wörgetter Neumarkt (SN). Wenn Johann Weyringer arbeitet, muss schon einmal der Salzburger Bürgermeister sein Büro räumen. Denn von dessen Fenster im Schloss Mirabell aus öffnet sich der Blick über den barocken Garten auf die Festung Hohensalzburg. Und wenn es dieser Blick ist, den Weyringer sucht, sind Kompromisse unmöglich. Licht, Farbe und unbändige Vitalität prägen das Werk des Künstlers. Wo immer er das findet, schlägt er seine Werkstatt auf – sei es am Fenster des Bürgermeisters, in der mongolischen Steppe oder in den Bergen des Himalaya. Für seinen 1995 entstandenen Zyklus „Herz sieht Licht“ wohnt er in Hannover mehreren Herzoperationen bei. Denn Weyringer braucht das unmittelbare Erleben: „Dann baue ich daraus eine eigene Welt auf.“
Gefragt, was ihm das Wesentliche sei, antwortet er ohne einen Augenblick des Nachdenkens: „Die Humanitas.“ Der Mensch, sein Streben nach Leben und sein Kämpfen gegen den Tod stehen im Mittelpunkt seines Werks.
Genau deshalb war Weyringer sofort bereit, eigens für die „Salzburger Nachrichten“ ein Werk zu schaffen, das Sinnbild für die Aktion „Lichtblicke“ sein soll: „Aphrodite und Ares im Schutze von Hephaistos“. Es ist auf der Titelseite dieser Ausgabe abgebildet. „Man kann die Welt verändern“, sei die eine Botschaft des Gemäldes, sagt Weyringer. Hephaistos, der schmiedende Gott, schwingt in seiner Werkstatt unter dem Vulkan den Hammer. Aus dem Krater ergießt sich eine Explosion von Farben und Licht. Sie legt sich „wie ein Schutzmantel“ über Ares und Aphrodite, so beschreibt Weyringer die Szene. Und freut sich sichtlich, wieder eine neue Welt geschaffen zu haben. Nämlich diesfalls durch die Umdeutung der griechischen Mythologie. Bei ihm ist Hephaistos nicht der von Ares und Aphrodite betrogene Mann, von den Göttern ausgestoßen und geschmäht. Bei ihm steht er für die Menschheit an sich: Hephaistos hat die Macht, zu zerstören, aber auch, neue Hoffnung zu schaffen. Und er entscheidet sich für das Zweite.
Wer durch Weyringers Atelier in Neumarkt am Wallersee geht und genau schaut, entdeckt: Seine Figuren sind fast nie bestimmte Individuen, auch nicht auf den Aktbildern. Es sind vielmehr Archetypen. Vielleicht spielen daher Mythen und Symbole eine so große Rolle in seiner Arbeit. Die Gottheiten stehen nie für einen bestimmten Menschen, sondern immer für eine Idee vom Menschen, die Symbole immer für eine eigene, auch mystische Welt.
Dass er Künstler werde, habe er schon als Kind mit Bestimmtheit gewusst, erzählt Weyringer. Er ist einer der renommiertesten in Österreich geworden, auch einer der eigenständigsten.
Wenn er heute in seinem Atelier in der Nähe des Schlosses Sighartstein arbeitet, hat sich ein Kreis geschlossen. Was früher die Tischlerwerkstatt seines Vaters war, beherbergt heute mächtige Holzskulpturen. Hier hat Weyringer das Handwerk seines Vaters bis zum Meistertitel erlernt, jetzt arbeitet er am selben Ort als Bildhauer wieder mit dem Werkstoff von einst. Aus dem schneebedeckten Garten wachsen Großskulpturen aus Stein und Bronze. Und im mittlerweile auf 700 Quadratmeter angewachsenen Atelier zeugen Modelle von einer weiteren Facette des Künstlers: seiner Ausbildung als Architekt. Er hat in Wien an der Hochschule für angewandte Kunst und an der Akademie der bildenden Künste studiert.
So hat er für die Kapelle „Zum guten Hirten“ in Thalgau-Egg nicht nur den Bau entworfen, sondern auch die Glasfenster und Fresken gestaltet – ein weyringersches Gesamtkunstwerk.
„Ich bin keiner, der eine Installation macht, die nach drei Monaten wieder abgebaut wird“, sagt er. Ihm gehe es vielmehr darum, Bleibendes zu schaffen. In seinem Werk manifestiere sich ein „Packen wir es an!“




















