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Da legst die Bäume nieder
(cai) Was ist das? Die
dominante Lebensform auf unserem Planeten trägt es um den Hals. Äh, das
Hundehalsband? Okay, die dominante Lebensform bei uns istja vielleicht
tatsächlich der Hund und nicht der Mann. Die richtige Antwort wäre
jedenfalls "die Krawatte" gewesen. Und wenn ein Samuraischwert in diesem
männlichen Halsschmuck steckt wie in einer Schwertscheide? Hm. Dann ist
das – na ja, entweder was Pornografisches oder es stellt den
Weltfrieden dar. Hä? Wieso den Weltfrieden? Weil die Krawatte Harakiri
begeht und dabei die Klinge auffrisst (neutralisiert). Ein klares
Unentschieden. Die banalen Dinge, die uns Razvan Botis vorsetzt, die
tun ja nur so ordinär. In Wahrheit sind sie abgründig. Oder
geradezu romantisch.
Ein Stück Hirschhorn pickt auf einem Holzprügel. Lapidarer Titel:
"Raised together." Gemeinsam großgezogen. Im Wald. Der Hirsch und der
Baum. Was ist übrigens der Unterschied zwischen einem Hirschgeweih an
der Wand und einem Nachtkastl neben dem Bett? Das eine ist eine Trophäe
und das andre - auch. (Ein erlegter Baum halt.) Doch warum klappen die
Brieftaschen auf und zu wie Mäuler? Weil die armen Viecherln (Leder ist
immerhin Tierhaut) noch immer nicht tot sind und endlich einen Tierarzt
bräuchten? Oder hat ihnen der Künstler den Odem des Atmens eingeblasen?
Nein, eine primitive Mechanik hat er ihnen eingebaut. Wieso er aber
einen Silberdraht durch Gräser treibt und sie wie Mikadostaberln
hinwirft, dafür hab ich echt keine Erklärung. Ja, wenn es Gold draht
wäre, dann hätte das irgendwas mit dem Rumpelstilzchen zu tun. (He, da
hätt’ ich eine Idee: "Mikado à la Rumpelstilzchen." Man sucht die
goldeneNadel im Heuhaufen, und wer sie rauszieht, ohne dassein einziger
Halm wackelt, hat gewonnen.) Botis macht eigentlich eh dasselbe wie
dieser Alchemist, der aus Stroh Gold gesponnen hat. Er verwandelt das
Gewöhnliche in was Besondres, das man verzückt anglotzt.
Krinzinger Projekte
(Schottenfeldgasse 45), Razvan
Botis, bis 26. Februar
Mi. – Fr.: 15 – 19 Uhr, Sa.: 11 – 14 Uhr
Die Säge ist rege
(cai) Ein bissl hab ich mich
beim Herumflanieren in der Galerie Hartmann ja gefühlt, als hätt’ ich
einen viel zu langen Spazierstock dabei und grad den gutgemeinten Rat
bekommen, halt unten was abzuschneiden: "Wieso? Da unten passt
der Stock doch." Ich hab also gemeint, ich befände mich in einem Witz.
Einem begehbaren Witz. Wo mehr Holz vorhanden ist, als der
Verstand noch bewältigen kann. Birgit Zinner sägt nämlich aus
Hartfaserplatten komplexe Muster in freien Rhythmen heraus (okay,
durchaus virtuos) und bemalt alles mit chaotischer Buntheit, dass der
Blick ziellos umherirrt und die Augäpfel ruhelos in den Höhlen
herumkugeln. Und die Pointe? Sind die Titel. Denn wenn was völlig
Abstraktes "Nehmen sie ein Taxi" heißt, kann man entweder überschnappen
oder eben lachen (aus Verlegenheit oder purer Verzweiflung).
Galerie Hartmann
(Gredlerstraße 2), Birgit Zinner, bis 5. März
Di.
– Do.: 14 – 18 Uhr, Fr.: 14 – 20 Uhr, Sa.: 9 – 13 Uhr
Die Haut schlägt aus
(cai) Was trägt man beim
Weltuntergang? Eine Gasmaske und einen Kopf unterm Arm. Zumindest bei
einem endzeitlich brutalen Rugbyspiel, wo der Ball natürlich ein Schädel
ist. (Eh klar!) In Katrin Plavcaks aktuellen Bildern (seichter
Surrealismus, brav heruntergemalt) ist das Ende der Menschheit (oder der
Mode?) nah. Prothesen sind geil und die eigene Haut mutiert zum
grotesken Kleidungsstück. Da hat das Weltraummusical "Orgon Rock" (eine
Koproduktion mit Rudi Fischerlehner und Johanna Kirsch) ja wenigstens
einen hypnotisierenden Rhythmus. Singende Asteroiden auf Tournee suchen
die xenophobe Erde heim.
Galerie
Mezzanin
(Getreidemarkt 14), Katrin Plavcak, bis 5. März
Di. –
Fr.: 11 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 15 Uhr
Printausgabe vom Mittwoch, 16.
Februar 2011
Online seit: Dienstag, 15. Februar 2011 17:13:00