Künstlerhaus: Global Tools
Von der Dingwelt zur Geistesebene designern
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
"Global Tools, Design im Zeitalter der
Intensivstation" nennt sich eine Schau des Künstlerhauses im Erdgeschoß
bis 9. September, die eine Schiene in Richtung virtuelle Medien und Design
fortsetzt. In verschiedenen Themenbereichen erfahren Besucherinnen und
Besucher neue Tendenzen zu Design im Transit, Neuronalen Netzen,
Überlebenszonen, Infusionen, Training, Living Memory, Informationswärme,
Stammzellen, Einblicke und im Zentrum befindet sich ein Think Tank der
Universität für angewandte Kunst. Arno Grünberger hat mit den Kuruatorn
Vitus Weh und Tulga Beyerle an die historische Folie aus den siebziger
Jahren von Superstudio, Archizoom u. a. angeschlossen, die unter dem Titel
"Global Tools" ein erstes großes Netzwerk planten, das damals utopisch,
mittlerweile verwirklicht ist. Dabei ist die geistige Ebene und der
Entwurf wichtiger als deren Materialisierung. Der Traum einer
hierarchielosen Plattform, der heute wahr erscheint, wird auch die
theoretischen Diskussionsrunden begleiten. Firmen wie Telekom, Siemens,
Motorola usw. sind eingebunden; dazu wird die heute wesentliche
bildgestützte Vermittlung auch in Richtung Zukunft präsentiert. Das
Durchstreifen der Schau soll gleich einem Jetten durchs Internet von einer
Welt in die andere verhelfen. Dabei sind die beigegebenen Tools wichtig:
Der grüne Tupperware-Koffer mit Katalog, Kompass und Actionsampler der
Lomografen (macht viergeteilte Fotos) sowie die Austria Card als zukünftig
wichtigster Partner in Handel und Austausch sowie ein leihweise zu
bedienender PDA (Personal Digital Assistent) mit Leitsystem des Künstlers
Martin Walde. Dieses geleitet in einer Art Metaebene durch die Ausstellung
und muss dann wieder abgegeben werden. Lesen im Katalog oder Bildlesen
am Kleincomputer ist da die Frage. Wen das alles nervt, der kann im
Kartonlager "Überleben" in einen der Schlafsäcke schlüpfen, Gefühle von
unfreiwilligen Straßenbewohnern inbegriffen (?) oder mit einem
Fluchtfahrzeug Robert Ospalds gleich flüchten aus dem Transit, wo sich
auch die historischen Flugtaschen neu bestaunen lassen. Wem das
Geräusch im Think Tank zu laut ist, der kann seinem Ohr schonend Wissen
per Kopfhörer zuführen und die vielen Spielgeräte per Mausclick bedienen.
Die Mobilkom als Sponsor wirbt wie die anderen Firmen querfeldein - es
wäre eine Untersuchung wert, wem das (nicht) entgeht. Aber das
Künstlerhaus muss eben seine Ausstellungen von außen finanzieren, da der
Bund ausfällt: neue Vorstellungen von Finanzierung können nicht ohne
kleine Nachteile ablaufen. Die Lectures waren vom 12. bis 14. Juli mit
berühmten Design-Vortragenden besetzt. Dabei ist die Schau ebenso
heterogen aufgebaut wie ihre Themen. Bühnenbildner, Architekten und
Setdesigner haben mitgearbeitet.
Erschienen am: 09.08.2001 |
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