Der viel beschäftigte Schauspieler, Regisseur, Fotograf, Maler, Bildhauer und Gentleman Dennis Hopper hat sich für seine Wiener Ausstellung Zeit genommen und sich persönlich um den Aufbau gekümmert. Ines Mitterer hat ihn dabei getroffen.
Vom einstigen Easy-Rider, Dennis Hoppers großem Filmcoup 1969, bemerkt man heute nichts. Ein distinguierter Herr mit tadellosem Anzug, stechendem Blick und dicker kubanischer Zigarre präsentiert sich zum Interview. Weltmännisch, ist doch klar, wenn auch mit dem Schmunzeln eines Kindes, das sich gerade am verbotenen Marmeladetopf vergriffen hat. "In Europa darf man wenigstens rauchen", lautet die Erklärung dafür. Dennis Hopper stellt in Wien seine künstlerischen Werke aus, die er neben der Arbeit beim Film in den letzten 30 Jahren semiprofessionell geschaffen hat. Das heißt: in engem Kontakt mit der Kunstszene, aber doch eben nur in seiner Freizeit, als Dilettant im besten aller Sinne.
Zwar bezeichnet Hopper den Film als die größte künstlerische Leistung des 20. Jahrhunderts, die alle anderen Kunstrichtungen wesentlich beeinflusst habe, er musste aber doch auch malen, um sich ganz als Künstler zu fühlen, meint er. Schuld daran: sein kleinbürgerliches Elternhaus, in dem als Kunst nur gilt, was mit Farbe und Leinwand zu tun hat. Hoppers Filme gezeigt Andy Warhol with Flower, 1963 Neben den riesigen Gemälden, die im Popart-Stil etwa das lippenstift-geschmückte Gesicht einer blonden Dame zeigen, oder in schwarz-weiß-grauen Tönen gemalt eine Szene mit Pärchen in einem typisch amerikanischen Coffeeshop, neben den Fotografien der tonangebenden Künstler der 60er Jahre von Warhol bis Lichtenstein, Jasper Johns oder Rudi Gernreich, neben den lebensgroßen Baracken, die an das erdbebengefährdete Los Angeles erinnern sollen, neben den Fotos, die einfache Mauern mit Ritz- oder Graffitispuren zeigen, neben seinem ganzen bildnerischen Werk, laufen auch einige Dennis-Hopper-Filme in der Ausstellung: "Easy Rider" natürlich, "Out of the Blue" oder "Colors". Denn Hopper fühlt sich bei allem Engagement für die Kunst in erster Linie dem Film verpflichtet. Die Schauspielerei habe ihm die Türe zu dem Leben, das er führen wollte, geöffnet: inmitten von Kunst und Kultur. "Das ist die Welt, in der ich immer gelebt habe, trotz allem, was über mich geschrieben worden ist." Donald Factor at Coca-Cola, 1964 Dennis Hopper war immer auch Künstler und hat sich im Los Angeles der 60er Jahre in engem Kontakt mit der Kunstszene bewegt, die damals erst im Entstehen begriffen war: Die erste Pop-Art-Ausstellung wurde in Los Angeles gezeigt und hat Hopper tief beeindruckt. L.A. blüht auf Roy Lichtenstein, 1964 In den 60er Jahren blüht plötzlich die Kunst-Szene der Stadt, die bis dahin in künstlerischem Dornröschenschlaf gelegen war. Eine Marcel-Duchamp-Retrospektive lockt alle wesentlichen zeitgenössischen Künstler nach Kalifornien, wo Dennis Hopper sie kennen lernt, ihre Anliegen zu den eigenen macht und das Geschehen um Warhol, Rauschenberg, Lichtenstein auch fotografisch dokumentiert. Dennis Hoppers Kunstschule sind die Künstlerfreunde, das Leben in Los Angeles, die Erlebnisse beim Film. Ein ausführliches Studium der Kunstgeschichte sei überflüssig, ist Hopper überzeugt, wichtig ist es lediglich, seine persönlichen Väter und Vorväter zu kennen, in seinem Fall: Jackson Pollock, Marcel Duchamp, Cézanne. "Ich muss nicht weiter zurück gehen. Ein Künstler kann nur in seiner Zeit und ihrer Ästhetik handeln und von ihr sprechen. Dann kann er sie umkehren und damit Verschiedenstes zeigen." Billboard Factory, 1965 Sog Richtung Leinwand Jackson Pollock war immer da, auch wenn Dennis Hopper das Malen für fast 20 Jahre bleiben ließ. Irgendwann war der Sog Richtung Leinwand dann wieder so stark, dass sich der nicht gerade unterbeschäftigte Filmarbeiter in sein Haus in New Mexico zurückzog und loslegte. Dass diese Art der Malerei dann schon wieder passé war, störte ihn kein bisschen. Draw me and Win Art, 1961 Trotz beachtlicher Vielzahl an Werken und trotz beachtlicher Qualität finden erst in diesem Jahr die ersten großen Hopper-Ausstellungen statt; bisher wurde der Schauspieler und Regisseur Hopper als bildender Künstler nicht ernst genommen. Aber die Rolle als verkanntes Malgenie steht Hopper überhaupt nicht. Die Selbstbestätigung holt er sich beim Film. Das Sympathische am Künstler Dennis Hopper: Er zweifelt am Wert seiner Werke: Hin- und hergerissen zwischen impulsiven Malausbrüchen á la Jackson Pollock und subtil inszenierter Kunst à la Marcel Duchamp weiß er sich selbst nicht so richtig einzuordnen. "Ich hatte Perioden", so Hopper, "wo mich Details interessiert haben, dann wieder Zeiten, wo ich von Details nichts wissen wollte. Ich sehe Kunst als Fortsetzung des Wirbels von Tod und Leben." Wichtig ist, dass es ihm gefällt und wenn sich andere dafür interessieren, umso besser - ob sie jetzt wegen des berühmten Namens kommen oder hehrem Interesse an der Kunst ist in diesem Fall egal. Blick in die Ausstellung im MAK Tipp: Dennis Hopper: "A System of Moments". Vom 30. Mai bis 7.Oktober im MAK; Di 10.00-24.00 Uhr, Mi-So 10.00-18.00 Uhr.
Zwar bezeichnet Hopper den Film als die größte künstlerische Leistung des 20. Jahrhunderts, die alle anderen Kunstrichtungen wesentlich beeinflusst habe, er musste aber doch auch malen, um sich ganz als Künstler zu fühlen, meint er. Schuld daran: sein kleinbürgerliches Elternhaus, in dem als Kunst nur gilt, was mit Farbe und Leinwand zu tun hat.
Hoppers Filme gezeigt
Neben den riesigen Gemälden, die im Popart-Stil etwa das lippenstift-geschmückte Gesicht einer blonden Dame zeigen, oder in schwarz-weiß-grauen Tönen gemalt eine Szene mit Pärchen in einem typisch amerikanischen Coffeeshop, neben den Fotografien der tonangebenden Künstler der 60er Jahre von Warhol bis Lichtenstein, Jasper Johns oder Rudi Gernreich, neben den lebensgroßen Baracken, die an das erdbebengefährdete Los Angeles erinnern sollen, neben den Fotos, die einfache Mauern mit Ritz- oder Graffitispuren zeigen, neben seinem ganzen bildnerischen Werk, laufen auch einige Dennis-Hopper-Filme in der Ausstellung: "Easy Rider" natürlich, "Out of the Blue" oder "Colors". Denn Hopper fühlt sich bei allem Engagement für die Kunst in erster Linie dem Film verpflichtet. Die Schauspielerei habe ihm die Türe zu dem Leben, das er führen wollte, geöffnet: inmitten von Kunst und Kultur. "Das ist die Welt, in der ich immer gelebt habe, trotz allem, was über mich geschrieben worden ist."
Dennis Hopper war immer auch Künstler und hat sich im Los Angeles der 60er Jahre in engem Kontakt mit der Kunstszene bewegt, die damals erst im Entstehen begriffen war: Die erste Pop-Art-Ausstellung wurde in Los Angeles gezeigt und hat Hopper tief beeindruckt.
L.A. blüht auf
In den 60er Jahren blüht plötzlich die Kunst-Szene der Stadt, die bis dahin in künstlerischem Dornröschenschlaf gelegen war. Eine Marcel-Duchamp-Retrospektive lockt alle wesentlichen zeitgenössischen Künstler nach Kalifornien, wo Dennis Hopper sie kennen lernt, ihre Anliegen zu den eigenen macht und das Geschehen um Warhol, Rauschenberg, Lichtenstein auch fotografisch dokumentiert.
Dennis Hoppers Kunstschule sind die Künstlerfreunde, das Leben in Los Angeles, die Erlebnisse beim Film. Ein ausführliches Studium der Kunstgeschichte sei überflüssig, ist Hopper überzeugt, wichtig ist es lediglich, seine persönlichen Väter und Vorväter zu kennen, in seinem Fall: Jackson Pollock, Marcel Duchamp, Cézanne. "Ich muss nicht weiter zurück gehen. Ein Künstler kann nur in seiner Zeit und ihrer Ästhetik handeln und von ihr sprechen. Dann kann er sie umkehren und damit Verschiedenstes zeigen."
Sog Richtung Leinwand
Jackson Pollock war immer da, auch wenn Dennis Hopper das Malen für fast 20 Jahre bleiben ließ. Irgendwann war der Sog Richtung Leinwand dann wieder so stark, dass sich der nicht gerade unterbeschäftigte Filmarbeiter in sein Haus in New Mexico zurückzog und loslegte. Dass diese Art der Malerei dann schon wieder passé war, störte ihn kein bisschen.
Trotz beachtlicher Vielzahl an Werken und trotz beachtlicher Qualität finden erst in diesem Jahr die ersten großen Hopper-Ausstellungen statt; bisher wurde der Schauspieler und Regisseur Hopper als bildender Künstler nicht ernst genommen.
Aber die Rolle als verkanntes Malgenie steht Hopper überhaupt nicht. Die Selbstbestätigung holt er sich beim Film. Das Sympathische am Künstler Dennis Hopper: Er zweifelt am Wert seiner Werke: Hin- und hergerissen zwischen impulsiven Malausbrüchen á la Jackson Pollock und subtil inszenierter Kunst à la Marcel Duchamp weiß er sich selbst nicht so richtig einzuordnen. "Ich hatte Perioden", so Hopper, "wo mich Details interessiert haben, dann wieder Zeiten, wo ich von Details nichts wissen wollte. Ich sehe Kunst als Fortsetzung des Wirbels von Tod und Leben."
Wichtig ist, dass es ihm gefällt und wenn sich andere dafür interessieren, umso besser - ob sie jetzt wegen des berühmten Namens kommen oder hehrem Interesse an der Kunst ist in diesem Fall egal.
Tipp:
Dennis Hopper: "A System of Moments". Vom 30. Mai bis 7.Oktober im MAK; Di 10.00-24.00 Uhr, Mi-So 10.00-18.00 Uhr.