Wahlösterreicher auf der documenta 11

Die Österreicher sind kaum auf der diesjährigen documenta präsent. Dafür aber vertreten "Zuagraste", wie man in Wien sagt, würdig die heimische Kunstszene.


Die Konzeptkünstlerin Rene Green, der Typosoph Ecke Bonk und die Fotografin Lisl Ponger sind mit unterschiedlichsten Werken in Kassel präsent.

Rene Green

Die an der Wiener Akademie für bildende Künste seit 1997 lehrende US-Amerikanerin Rene Green hat im Bereich der Orangerie in der Karlsaue, einen oktogonalen Container "Standardized Octogonal Unit for Imagined and Existing Systems" im Freien aufgestellt. Die multimediale Installation beschäftigt sich in acht getrennten Räumen mit einer breiten Spanne an Themenfeldern, die Stichworte wie Reisen, Exotik, Frau, Mann, Sinne, Landschaft, Maschine, Alphabet, Farbe, Lebensmittel und Afrika umfassen. In den Pavillons werden Diaprojektionen, Sounds und "Fundstücke" zu sehen und zu hören sein.

Der Typosoph Ecke Bonk

Der Deutsche Ecke Bonk gründete 1994 in Niederösterreich eine "typosophische Gesellschaft", die sich mit Grundlagen der Zeichenbildung und der Ästhetik der Information befasst. Seine Arbeit trug Früchte und so erhielt er 1996 den österreichischen Staatspreis für das "Schönste Buch". Bonk, der bereits bei der documenta 10 vertreten war, gab der 11. Kasseler Schau ein einheitliches Erscheinungsbild. Die elf Lettern "Documenta11", ohne Zwischenraum, bilden das puristische documenta-Logo. Der Anagramm-Charakter sowohl der "11" als auch der Jahreszahl "2002" waren für Bonks philosophisch-theoretisch geprägte Typographien von Relevanz. Darüber hinaus wird Bonk auch noch mit der Installation "Book of Words. Random Reading" vertreten sein. Dabei werden aus den rund 350.000 Einträgen im deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm per Zufallsgenerator ausgewählte Wörter in den Ausstellungsraum projiziert und dem Lesenden zufällig dargeboten.

Die Fotografin Lisl Ponger

Ponger zeigt in Kassel die Fotos "Sommer in Italien. Genua, August 2001". Die Fotoserie beschäftigt sich mit der Inhaftierung der VolxTheaterKarawane nach dem G-8-Gipfel in Genua. Dabei handelt es sich weniger um Demo-Fotos als um städtische Panoramen, an Hand derer man nachvollziehen kann, was zu dieser Zeit in Genua geschehen ist. Ponger freute sich über die Auswahl dieser politisch brisanten Arbeit für die Kasseler Schau, passt sie doch damit eindeutig in Enwezors sozialkritisches Konzept.

Sabotage

Als schriller Kontrapunkt der wahlösterreichischen Präsenz in Kassel agiert der Wiener Aktionskünstler Robert Jelinek. Der Kopf der Künstlergruppe Sabotage will in den ersten 14 Tagen 70.000 Hanfsamen an die Bevölkerung verteilen. Ob die Saat in den Grünanlagen in Kassel aufgehen wird, wie Jelinek hofft, ist fraglich. Mit dieser Aktion, die außerhalb des Kasselers documenta-Programms läuft, will Jelinek nicht etwa für die Legalisierung von Haschisch plädieren sondern Cannabis zurück auf die Straße bringen, wo es seiner Meinung nach hingehört. Ein irritierendes Projekt des Wieners, der schon mit seiner Aktion "Cash" in Wien Aufsehen erregte.

Radio &sterreich 1