Dan Flavin, Carl Andre, Robert Morris und
Donald Judd werden landläufig der Kunstströmung Minimalismus zugerechnet.
Gegen dieses Etikett haben sie sich immer gewehrt. Der Kunsthistoriker,
Kritiker, Philopsoph und Architekt Donald Judd erläutert in seinem
programmtischen Text "Specific Objects" die Richtlinien einer Kunst
zwischen Skulptur und neuer Materialität.
"Der Gebrauch von drei Dimensionen ermöglicht die Verwendung aller
erdenklichen Materialien und Farben. Die meisten Arbeiten verwenden neue
Materialien, entweder neue Erfindungen oder Dinge, die in der Kunst
bislang noch nicht benutzt wurden. Bis vor kurzem wusste man mit der Fülle
von Industrieerzeugnissen noch nichts Rechtes anzufangen. Mit
industriellen Techniken wurde so gut wie überhaupt noch nicht gearbeitet,
woran sich aus Kostengründen auch so schnell nichts ändern wird.
Die Kunst könnte in die Massenproduktion gehen. Möglichkeiten, deren
man sich anderwertig nicht bedienen kann, wie z.B. das Stanzen, könnten
hier ausgeschöpft werden. Dan Falvin, der mit fluoreszierendem Licht
arbeitet, hat sich die Ergebnisse der industriellen Fertigung zunutze
gemacht.
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| Dan Flavin -
Marfa |
Die Materialien sind sehr unterschiedlich und einfach Materialien -
Formica, Aluminium, kaltgewalzter Stahl, Plexiglas, rotes und gewöhnliches
Messing usw. Sie sind spezifisch. Wenn sie direkt eingesetzt werden, sind
sie noch spezifischer.
Normalerweise sind sie auch aggressiv. Es liegt eine Objektivität in
der beharrlichen Identität eines Materials. Natürlich haben die
Materialeigenschaften - hart oder weich, verschiedene Stärke, Biegsamkeit,
Glätte, Lichtdurchlässigkeit, Stumpfheit - auch nicht - objektive
Verwendungunsmöglichkeiten. Das Vinyl von Oldenburgs weichen Objekten
sieht aus wie immer - glatt, schlaff ein wenig unangenehm; es ist
objektiv, zugleich aber flexibel, und es kann genäht und mit Luft oder
Kapok gefüllt werden, man kann es aufhängen oder hinstellen, es
durchhängen oder zusammenfallen lassen.
Die neuen Materialien sind größtenteils nicht so zugänglich wie Öl auf
Leinwand, und sie sind nur schwer aufeinander abzustimmen. Sie sind nicht
von vornherein Kunst. Die Form einer Arbeit und deren Materialien hängen
eng zusammen. In der Vergangenheit wurden die Struktur und das Bild in
einem neutralen und homogenen Material ausgeführt. Da nicht viele Dinge
ungestalt sind, ist es problematisch, die verschiedenen Oberflächen und
Farben zu kombinieren und die Teile so in Beziehung zu setzen, dass die
Einheit nicht geschwächt wird."
Aus: Georg Stemmrich (Hrg.), Minimal Art, eine
kritische Retrospektive. Dresden, Basel 1995 (Fundus
Reihe)