Humorist mit spitzer Rabenfeder
Paul Flora. Der österreichische Zeichner und Karikaturist ist 86-jährig in Innsbruck gestorben.
ERNST P. STROBL Wien (SN). Wenn man mit Paul Flora zu tun hatte, wirkte er durch sein markantes Aussehen und die Art, wie er bedächtig seine Worte wählte, wie das Sinnbild eines knorrigen Tirolers. Knorrige Tiroler spielten in seiner Kunst eine große Rolle, neben den zahllosen Raben, die zu seinem Markenzeichen wurden, aber auch venezianischen Karnevalserscheinungen oder Figuren der commedia dell’arte. Gestern, Freitag, ist Paul Flora 86-jährig gestorben.
Paul Floras Kunst verleitete zum Lächeln. Seine Werke sind überaus populär. Wie kaum bei einem anderen lebenden Künstler wurden seine Radierungen weit verbreitet, in großer Zahl fanden die sorgsam gestrichelten Figuren und Bilder voller Ironie oder venezianischer Melancholie den Weg auch in Wohnungen von wenig begüterten Menschen.
Einen „Bilderschriftsteller“, der „in der Muttersprache aller Völker schreibt“, hatte ihn einst Erich Kästner genannt, eine Bezeichnung, die Flora gern annahm. Friedrich Dürrenmatt bezeichnete ihn als „Denker und Grübler unter den Karikaturisten“.
Viele weitere Titel passen auf diesen Künstler, der über Jahrzehnte mit viel Humor und kritischem Geist als Karikaturist und Illustrator wirkte, und der vor allem mit seinen Raben sowie mit seinen satirischen Beobachtungen der menschlichen Schwächen ein so unüberschaubares wie unverwechselbares Oeuvre schuf.Grübler und Denker Paul Flora wurde am 29. Juni 1922 in Glurns im Vinschgau in Südtirol geboren. Als er sechs Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Innsbruck. „Ich wurde als italienischer Untertan geboren, wurde mit sechs Jahren für zehn Jahre Österreicher, war dann sieben Jahre deutscher Staatsbürger und bin seit 1945 wieder Österreicher.“ So umschrieb Paul Flora seinen Lebenslauf. An der Akademie in München studierte er unter anderem bei Olaf Gulbransson. Ab 1953 begann seine Zusammenarbeit mit dem Zürcher Diogenes Verlag und wenig später die enorm produktive Arbeit für die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“. Allein dort wurden in vierzehn Jahren über 3000 seiner Zeichnungen und politischen Karikaturen veröffentlicht. Aber auch internationale Blätter wie die „Times“ oder der „Observer“ veröffentlichten gern treffende Zeichnungen von Paul Flora.
Schon im Frühwerk verwendete er eine dichte Schraffur, die zwar im Lauf der Jahre zugunsten der karikaturistischen Zeichnung zurückgedrängt wurde, aber in feinster Abstufung später wieder dominierte. Vielfach wirkt diese Schraffur wie ein Vorhang, ein Weichzeichner über den mit spitzer Feder gezeichneten Verhaltensstudien, aus denen oft Nachdenklichkeit und eine gewisse Tragik abzulesen sind.
Paul Flora wohnte auf der Hungerburg oberhalb von Innsbruck. Zwei Mal vertrat er Österreich bei der Biennale in Venedig. Zahlreiche Ausstellungen – darunter regelmäßige bei seinem Schwiegersohn, dem Salzburger Galeristen Thomas Seywald – verbreiteten das unverkennbare Werk, ebenso wie eine große Anzahl von Bildbänden.Werk mit großer Verbreitung Beispielsweise waren anlässlich seines 85. Geburtstags umfangreiche Ausstellungen seiner Werke in Innsbruck, Hamburg, Zürich und Salzburg zu sehen, auch der Diogenes Verlag (wo rund 30 Bücher Floras herausgekommen sind) brachte zwei Bücher mit Erinnerungen und den „besten“ Zeichnungen des Künstlers auf den Markt. Flora wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen der Republik Österreich. Die Tiroler Landesregierung hat anlässlich des 80. Geburtstages des Künstlers den mit 10.000 Euro dotierten Paul-Flora-Preis ins Leben gerufen.




















