Die Herbstsonne flimmert durch Geäst und Blattwerk. Zaubert goldene Schimmer in den Hochwald. Farne, Grasbüschel, Erdklumpen, Frühnebel – in aller Prägnanz durchkomponiert, perfekt die Definition von Raum, von Tiefe. Das Werk eines Meisters der Romantik? Das Gemälde eines Meisters des Impressionismus? Nein: Eine Karikatur von Gerhard Haderer.
Die stilistische Bandbreite des aus dem oberösterreichischen Leonding stammenden, seit Jahrzehnten in Linz lebenden und samstäglich für die OÖN zeichnenden Vertreters der satirischen Kunst ist ohne jede Übertreibung phänomenal. Umspannt Hinweise auf die frühe Kunstgeschichte (wie etwa Giotto, Raffael, da Vinci) ebenso wie Zitate aus dem Land der unbeugsamen Gallier. Umspannt den Bereich Bühnenbild ebenso wie jenen der Skulptur und multimedialen Animation.
Botox-Pippi & Käsekrainer
Das Lentos zeigt im Rahmen des Linzer NextComic-Festivals und zum anstehenden 60er Haderers lediglich 32 der bis in Nebensächlichkeiten wie Parkettmuster und Gürtelschnallen rigoros gestalteten Bildwerke eines – so Achim Frenz, Leiter des Frankfurter Karikaturmuseums – „Superstars der Kunst weltweit“. Ein sehr „schlanker“ Auftritt. Und zwar im hintersten Raum nach der Sammlung. Dass hadererwütige Besucher dennoch dorthin finden, liegt am stirnseitig angebrachten, in überdimensionierte fünf mal vier Meter aufgeblasenem Aquarell „Fröhliche Priester“. Dessen immense Signalwirkung leitet durch die (zweifellos großartige) Lentos-Sammlungspräsentation bis nach hinten wie der Speck die Mäuse.
Wobei dieser Blick auf die Sammlung ja durchaus den Blick für das Karikaturisten-Kleinod dahinter schärft und Haderers Virtuosität im Umgang mit Bleistift, Aquarell, Buntstift, Luftpinsel noch deutlicher zutage treten lässt. Hier hinten präsentiert sich kein Lentos-Fremdkörper, sondern einfach ein weiterer Hochkaräter österreichischen Kunstschaffens.
Dass die Inhalte gesellschafts-, politik- und wie-auch-immer-kritisch überhöht und mit Ironie respektive Sarkasmus akzentuiert sind, ist ja nun beileibe nicht etwas, das eine zeichnerisch-malerische Leistung schmälert. Es kann sich hier also auch nicht die Frage stellen, ob Kunst lustig sein darf, sondern vielmehr, warum sich Kunst nicht viel öfter traut, das auch zu sein.
Wenn Haderers „Botox-Pippi“ die Zöpfchen ebenso weit nach oben reckt, wie ihre Brüste tief nach unten fallen; wenn sich beim Linzer Würstlstand „Warmer Hans“ Papst und Bischof vor der Käsekrainer zum Tischgebet sammeln; wenn Hitlerklonen das Bärtchen quer über alle Körperteile rutscht und im Hochwald der Brunftschrei des Rothirschen als Klingelton ertönt, dann ist jede Schub-ladierung nebensächlich. Das ist Meisterschaft auf vielen Ebenen. Auf der literarischen ebenso wie in der superben Handhabung des Bildvokabulars.
Gerhard Haderer nimmt seine Miniatur-Ausstellung gelassen: „Ein wunderbarer Raum. Es regnet nicht herein!“ Wenigstens etwas...
Gerhard Haderer im Lentos
Eröffnung: 5. März, 19 Uhr.
Öffnungszeiten: Di-So 10-18; Do 10-21 Uhr.
Führungen: 12. und 26. März, 16 Uhr (mit Haderer; Anmeldung erforderlich); 19. März, 2. April, 16 Uhr (mit Kunstvermittlung)
Gespräch: 3. April, 10-13 Uhr „sonntags um 11“ – Stella Rollig im Gespräch mit Gerhard Haderer (Anmeldung)
Anmeldung: 0732/ 7070
Kontakt: lentos.at; 0732/ 7070-3600
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