Politisiertes Zusammentreffen
Gedanklicher Auslöser zum Projekt war die Begegnung mit der Freejazz-Gruppe Dedalus im Vorjahr in Wien, wo Gillick fasziniert von dem damals politisch aufgeheizten Klima offenbar daran dachte, eine "Convention" einzuberufen - in doppelter Bedeutung des Begriffs als politisiertes Zusammentreffen und als ein musikalisches Ereignis, bei dem es zum Austausch von Gedanken und Vorstellungen kommt. "Dedalic Convention" will also keine Gruppenausstellung sein, sondern ein "Event, das eine bestimmte Zeit lang dauert und nach gemeinsamen Augenblicken und vielfachen Räumen sucht". Eingriffe in die Umgebung, Spuren und einfache Vorschläge verbinden sich mit den üblichen Erfahrungen des Museums und verzerren sie," wie es im Folder zur Ausstellung heißt.
MAK-Besucher werden in den nächsten Monaten also Anlass haben, sich darüber zu wundern, warum Zimmerpalmen in der MAK-Galerie ausgestellt sind und dürfen über eine unscharfe Dia-Projektion nachdenken, um dann zumeist dort auf "Kunst" zu stoßen, wo man sie auch im Museum nicht erwartet. Auf Hinweisblättern am Gang etwa, die an die Orientierungstafeln erinnern, mit denen Besuchern die Fluchtwege gewiesen werden, und die dann zwar auf die MAK-Galerie verweisen, aber überhaupt nichts Erklärendes bieten. Musikalische Interventionen erklingen in und ums Haus. Beim MAK-Eingang findet sich ein Popcorn-Automat - was dem eingelernten Museumsbesucher natürlich gleich signalisiert, dass das kein Gebrauchsobjekt sein kann, weil Popcorn zwar ins Kino, aber nicht ins Museum genommen werden darf . Und so darf also gedacht werden, dass Kunst im Spiel ist. In den Schauräumen des Museums kann man auf Leuchtröhren-Schriften stoßen.
Die Wiener "Dedalic Convention" als Treffen von bildenden Künstlern,
Musikern, Filmemachern, Designern, Theoretikern und Kuratoren kann allerdings,
so wie heute vieles in der Welt, nicht so stattfinden, wie es vorgesehen war.
Sechs jungen Künstlern aus den USA war es in diesen Tagen nicht möglich, nach
Wien zu reisen. Sie sollten zu einem späteren Zeitpunkt kommen und in der
Ausstellung bzw. im Museum Interventions- und Definitionsspuren hinterlassen.
Ergebnisse des dedalic-Konvents werden dann bei der "Dedalic Convention" im
Salzburger Kunstverein präsentiert. (APA)
Quelle: ©
derStandard.at