Salzburger Nachrichten am 28. Jänner 2003 - Bereich: kultur
Figur in der Malerei

Sammlung Essl: Zu Ehren von Hans Fronius

Hans Fronius zählt zu den Großen der österreichischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Anlässlich des 100. Geburtstags, der heuer zu begehen ist, widmet ihm die Sammlung Essl im Schömer-Haus in Klosterneuburg, diesem architektonischen Schmuckstück von Heinz Tesar, eine Schau, die sich einem spezifischen Genre der Malerei, der "Figur", widmet.

In der dritten Galerie des Rundbaus dokumentiert eine Reihe von Spätwerken die auch im Alter ungebrochene expressive Kraft von Fronius, der ein insgesamt gewichtiges grafisches Werk hinterlassen hat. In pastos aufgetragenen, dunklen, aber auch oft grellschreienden Farben widmet sich der Künstler seinen bevorzugten Themen wie dem biblischen Geschehen ("Pieta`" oder "Golgotha", 1987) oder literarischen Quellen wie vor allem Kafka ("Die Behörde", 1984). Die Kühnheit der malerischen Textur verblüfft. Einige Arbeiten aus dem Besitz des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Florian ergänzen den eigenen Bestand der Sammlung Essl.

Ausgehend von diesem Brennpunkt wählte Kuratorin Agnes Essl insgesamt fünfzig Arbeiten österreichischer Gegenwartskünstler aus, die sich ebenfalls dem Menschenbild widmen und sich diesem in unterschiedlichster Sichtweise nähern. Chronologisch setzt dieser Teil der Schau mit Beispielen für die "wilde" Malerei der achtziger Jahre ein, wobei schon hier die Sonderstellung von Siegfried Anzinger ("Sumpfbild", 1981) erkennbar wird, der inzwischen zu einem wesentlich gemäßigteren, ja lyrischen Gestus gefunden hat.

Die Bandbreite der Sichtweisen reicht von einem erzählerischen Realismus bei Georg Eisler über die Auflösung der Figur in beinahe abstrakte, immaterielle Texturen wie bei Martha Jungwirth oder Valentin Oman bis zu karikaturhaftzeichnerischen Elementen (Jürgen Messensees "Infantinnen").

Eine Sonderstellung nehmen in diesem Zusammenhang die vergeistigten, kaum mehr stofflichen Selbstbildnisse von Zoran Music ein. Arbeiten von Maria Lassnig, Alois Mosbacher, Karl Korab, Günter Brus, Peter Sengl, Attersee und Adolf Frohner ergänzen die subjektive Auswahl.

GÜNTHER FROHMANN

Schömer-Haus, Aufeldstr. 17-23, Klosterneuburg, Mo-Fr 8-19 Uhr, Mi bis 20 Uhr.