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| 11.11.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Sammlung Essl: Hotspots für Nomaden | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Junge Szenen. Zwei Ausstellungen der Sammlung Essl. | ||
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D In Klosterneuburg ergänzen einander gleich zwei
Ausstellungen ideal. Erstmals wurde heuer an den Kunstakademien der
Länder, in denen ein gewisser Baumarkt Filialen betreibt, der "Essl Award"
ausgeschrieben. Aus 400 Einsendungen wurden je zehn Künstler ausgesucht,
in Prag, Zagreb, Budapest, Bratislava, Ljubljana ausgestellt und
schließlich von einer Jury mit je einem ersten und zweiten Preis beglückt.
Die zusammengefasste Sieger-Riege kann jetzt in Essls
Museum bewundert werden, was interessante Einblicke vor allem in die
Kunstausbildung der Länder gibt. Schießt der Slowene Julij Borstnik noch
völlig respektlos jeden mit einer Mandarine ab, der sich seinen, die
globalisierte Mandarinenproduktion erklärenden Tafeln nähern will, und
verrichtet Ondrej Brody seine Notdurft ungeniert als Protest gegen den
Direktor in der Prager Nationalgalerie, scheint man in Budapest mehr dem
Zeitlosen zu frönen. Die ungarischen Kunststudenten, denen von der Jury auch
nur zwei zweite Preise zuerkannt wurden, sind mit helnweinschem
Fotorealismus und Porträts auf Klarsichtfolie eher unglücklich vertreten.
Hervorzuheben in dem award-immanenten medialen Durcheinander ist vor allem
die sozial engagierte Arbeit der Tschechin Katerina Sedá, die als Dank für
ein erfolgreiches Gruppenspiel von einem mährischen Dorf fast zur
Bürgermeisterin gemacht wurde. Durcheinander. Oder unkontrollierte Vielfalt. So ähnlich
lautet auch das Konzept der zweiten, gleich anschließenden Schau
"Hotspots". Erprobt werden sollte hier ein alternativer kuratorischer
Ansatz, der sich vor allem durch Nichtkuratieren auszeichnet. Auf der
Essl-Homepage wurden "Szenen" aus den Städten Berlin, Paris, Amsterdam,
London und Wien zur Bewerbung aufgefordert. Christine Humpl lud dann je
zwei dieser Künstler-Gruppen ein, sich in etwa 80 Quadratmeter großen
Kojen selbst zu verwirklichen. Was mit wenigen Ausnahmen wie der stark
konzeptuell arbeitenden Pariser Fraktion und fünf Berliner Künstlerinnen
rund um Annette Gödde eine teils anstrengend bunte Mischung von 68
Künstlern zur Folge hatte - und stark an die Beliebigkeit einer Kunstmesse
erinnert. Noch dazu, wenn kurz zuvor der Sammler selbst durch die Hallen
gewandelt ist und neben das von ihm Erwählte rote Punkte geklebt hat - die
rechtzeitig zur Eröffnung natürlich wieder entfernt wurden. Wie auch immer. Die Hotspots scheinen im Vergleich eher
im Osten zu liegen. Aber wer will das heute noch so geografisch werten, es
gibt kein Ranking von "Kunstszenen". Der Künstler ist sowieso ein Nomade.
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