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"Tutti": Alles sammeln, alles zeigen

05.04.2010 | 18:28 | SABINE B. VOGEL (Die Presse)

Der Deutsche Manfred Pernice präsentiert ein großartiges Panorama unter dem Titel "Tutti".

Mit seiner „Haupt- bzw. Zentraldose“ wurde der Deutsche Manfred Pernice auf der ersten Berlin Biennale 1998 schlagartig berühmt. Seither zeigte er seine Skulpturen in Venedig, auf der Documenta 2002 oder als „Dosenfeld“ in Frankfurt. Die neueste Ausstellung in Salzburg ist dosenlos. Stattdessen steht ein riesiges Rondell mitten im Raum. Strenge Kuben drängen sich an Wände und in Ecken. Nichts weniger als „Tutti“ – so der Titel der Ausstellung – wird geboten. In einer Partitur bezeichnet „tutti“ eine vollorchestrierte Passage des Musikstücks.

„Alle“, das sind hier einerseits fast ein Dutzend Künstlernamen, die als Ko-Ausstellende Werke beitragen. Manche sind ehemalige Studenten aus Pernices Zeit an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, andere teilweise frei erfundene Namen. Unter einem dieser Pseudonyme zeigt Pernice sogar Malerei. Andererseits ist das „Ganze“ das Thema der Aufführung, denn nichts weniger als eine Selbstbespiegelung findet hier statt: Ausgestellt sind verschiedene Qualitäten des Zeigens selbst. Also tatsächlich alles.

 

Künstler als Hotelerbe

Es wird gestapelt, geschichtet, sortiert und angeordnet, eingerichtet, auf den Müll gegeben, auf die Bühne gestellt und verborgen, an den Wänden finden sich noch Spuren der vorherigen Ausstellung und sogar den Überblick können wir erhalten, wenn wir über die schmale Wendeltreppe auf das Dach des Rondells steigen: Pernice präsentiert uns hier ein Orchester voller Möglichkeiten des Zeigens.

Zentrales Hilfsmittel ist das Rondell, das wie ein Bühnenkarussell in vier Abteile aufgeteilt ist: In einem liegen Polster auf dem Boden, Bilder zieren die Wand, ein Leuchter ist mit Krimskrams behängt. Wohnen, Sitzen, Einrichten sind die Stichworte – „Zeigen“ im häuslichen Rahmen? Nebenan geht es um das Salzburger „Hotel Europa“, ehemals ein Grand Hotel – also jene Kategorie, in der ungeniert Reichtum und Luxus präsentiert wurde. Ein Zeitungsartikel informiert, dass ein Künstler dieses Hotel erbte, leitete und parallel als Atelier- und Ausstellungshaus mitnutzte – „Zeigen“ in der Potenz also. Das nächste Segment lenkt unsere Aufmerksamkeit mit Fotografien und Bildern auf Potsdam bzw. die verfallende Stadtarchitektur – Staatsrepräsentanz im Untergang. Und einen Soloauftritt erhält Klaus Gölz mit einem Bootswagen ohne Boot mit lagernd liegenden Paddeln – ein „Bewegungsmodell“, wie es Pernice nennt ... (bis 11. 4.)


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