Künstlerhaus: Albert Wimmer, Waltraud Cooper, Heidulf Gerngross
Architektur und Regenbogen
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Im ersten Stock des Künstlerhauses zeigen
die Architekten Wimmer und Gerngross mit ihren Werkstätten unter dem Titel
"Liquid Künstlerhaus" gemeinsam mit der Lichtkünstlerin Waltraud Cooper
was sich in der Architektur der letzten Jahrzehnte grundlegend verändert
hat. Architekt Albert Wimmer präsentiert seine verwirklichten Projekte
und solche, die sich im Entwurfstadium befinden, auf einer Stahlwelle, die
sich durch die Räume zieht und unter Fotografien und Plänen die Modelle
des Donaukraftwerks Freudenau, des Tivoli-Stadions in Innsbruck samt
Freizeitpark, Bahnhöfe (Villach, Amstetten und Wörgel), soziale Wohnbauten
und die Park City Laaer Berg sowie private Häuser auf sich trägt. Das
Thema Zwischenräume (bezogen auf private und öffentliche Schnittstellen)
steht dabei über dem der geänderten Anforderungen einer Konsum- und
Freizeitgesellschaft im Informationszeitalter.
Arbeiten von
Waltraud Cooper
Waltraud Cooper, die von der Mathematik und
theoretischen Physik zur Kunst wechselte und in Wien, Lissabon und
Frankfurt studierte, lehrte später u. a. in der Hochschule für
künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz bei Lurids Ortner.
Waltraud Coopers Denken in Strukturen und Konzepten zieht sich von ihren
ersten Aufträgen bei der Linzer Ars Electronica und in Montreal über ihre
zwei Biennale-Beiträge (Venedig 1986 und 1995) und öffentliche
Raumgestaltungen in Wien, Duisburg, Graz, Weimar usw. Sie hat im
Künstlerhaus nicht nur den Stiegenaufgang durch warm- und kaltfarbige
Neonlichtquadrate geprägt, sondern zieht die Intervention in Farbstreifen
und Lichtquadraten durch alle Räume der Ausstellung als Klammer zwischen
den beiden Architekten. Ihr "Regenbogenthema", das von 1999 bis 2002
weltweit gespannt wird, weist zurück auf Euklid, zeigt sich ansonsten
minimalistisch, allerdings mit humanistischem Anliegen. Heidulf
Gerngross, 1976 bis 1996 im Duo mit Architekt Richter, seit 1996 Gerngross
Werkstatt wurde in den letzten Jahren in Wien durch sein "Wiener Loft" und
die Friedrich Kieseler-Schule einem breiteren Publikum bekannt. Seine
frühen utopischen Entwürfe, die auch an Kieseler sowie die experimentelle
Schiene von Hollein, Abraham und Pichler erinnern, dominieren auch den
gemeinsamen Mittelsaal. Gerngross hat sich aber auch seine
Designerqualitäten (Tische und ein Alphabet) erhalten und setzt sich mit
den neuen Anforderungen der Architektur (auch in Bezug auf die für ihn
überholten Parameter Form und Funktion) theoretisch auseinander. Für ihn
ist der Architekt Koordinator und Dirigent in der "Schule des Tastens" bei
einem Raum als knetbare Masse in einer zerfallenden Moderne. Soziale,
künstlerische und Alltags-Aspekte sind dabei in Einklang zu bringen.
Sein Ausstellungsflügel gleicht daher auch eher einem Laboratorium
oder einer Denkerwerkstatt denn einem reinen Architekturbüro. Im Katalog
schreibt Nikolaus Hellmayr über die verbindenden Phänomene zwischen den
drei beteiligten Künstlern. Land-Art von Richard G. Künz Ein
Vertreter der österreichischen Land-Art begleitet die Trilogie in der
Galerie des Künstlerhauses bis 5. August, Richard G. Künz, der von der
Architektur kommend zu einem übergreifenden Thema in Sachen Spurensuche
("Römische Spur"-Projekt beim Heidentor in Carnuntum) Konzept und
Installation (Koffer für Horn) bzw. eben die genannte Land-Art, verbunden
der Frage Kunst und Ökologie, gegangen ist.
Erschienen am: 31.07.2001 |
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