Hauptmenu . _ Hauptmenu
Hauptmenu Hauptmenu Hauptmenu
Hauptmenu .

.

Quer durch Galerien: artLab, Galerie Hilger, Galerie Wolfrum

. .

Wischiwaschi im Advent

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Theoretisch könnte man diesen Gesichtern vier Kerzendochte hineinstecken und dann Advent feiern. Andreas Fiala (bis morgen im artLab, Dorotheergasse Nr. 12) hat zwar nicht die Adventskränze und Geburtstagstorten seiner Freunde "abgeerntet", trotzdem hat er genug Wachs in "widernatürlichen", übertriebenen Farben aufgetrieben, um einfach unglaubliche Porträts damit zu malen.
Wie hat er bloß den "Weitsichtigkeitseffekt" so elegant hingekriegt? Aus der Nähe sieht man nichts als "Wischiwaschi, Punkti, Klecksi", vom anderen Ende des Raumes aus erkennt man ein Gesicht. In perfekter Zeitungsfotoästhetik. Fiala ist doch tatsächlich ein "abstrakter Fotorealismus" geglückt.
Am eindringlichsten: seine "Yellow Maria". Klingt wie "Red Elvis" oder "Gold Marilyn" aus dem Hause Warhol, das sich ja nur mit Leuten oder Konservendosen abgab, die mindestens so lange ein Star waren, wie ihr Werbespot im Fernsehen lief oder so lange ihr Skandal durch die Presse ging. Fialas "Yellow Maria" fällt freilich eher in die Kategorie "abschreckendes Beispiel von Berühmtheit". Warhol hätte sie bestimmt in seine Desaster-Serie aufgenommen und dort vielleicht neben die heißeste und endgültigste Sitzgelegenheit Amerikas (den elektrischen Stuhl) gehängt. Oder wenigstens in Anlehnung an seine "50 meistgesuchten Verbrecher" eine Serie gemacht über die 50 "am meisten toten" Jugendlichen. Maria war ja zumindest so lange populär, wie die Zeitschrift im Handel war, die ihren Drogentod Schritt für Schritt fotografisch dokumentierte (geschmacklos!). Zwar lässt auch Fiala Marias "Heroin-Gesicht" nicht ruhen, doch mengt er ihm einen Hauch von Feierlichkeit bei. Nicht zuletzt, weil Kerzenwachs eine Ingredienz der Andacht ist. Andachtsbilder einer "Drogenmärtyrerin".
Eines seiner Bilder hat eine Zeitlang hinter dem Rücken von Vera Russwurm nach Aufmerksamkeit geschmachtet (weil sich die "Vera der Nation" einen Nikolaus Moser in ihre Fernsehsendung gehängt hat). In der Galerie Hilger (Dorotheergasse 5) wird die Sicht auf die Mosers aber garantiert von keiner Vera verstellt. Leinwände verlassen Mosers Atelier so wie die Pechmarie die Frau Holle: sehr angepatzt (aber um vieles bunter). Moser versteht es, "landschaftliche Gefühle" in seine "abstrakten" Malereien hineinzupacken, ohne gleich plakativ botanisch zu werden. Bis 28. November.
Welches Rasierwasser verwenden Sie denn? Salzsäure. Diese Antwort würde man jedenfalls den meisten Kreaturen von Herwig Zens zutrauen, bei dem nicht gerade wenige Schädel ihr Gesicht komplett "abgelegt" haben. Also mich wundert's nicht, dass der Zens jetzt die Friedhofskapelle in Brunn am Gebirge ausgestaltet hat. Der Zens gehört schließlich zu den wenigen Lebenden, denen eine Friedhofskapelle gut steht. Die Skizzen dazu: bis 2. Dezember in der Galerie Wolfrum (Augustinerstraße 10).
Hier wird einem wieder einmal bestätigt, dass beim Zens die Skizzen den "ausgeführten" Werken eigentlich in nichts nachstehen (dann schon eher umgekehrt). Weiters zu sehen: da und dort ein grinsender Totenschädel (aber versuchen Sie einmal, völlig ernst dreinzuschauen, wenn Sie nicht einmal Lippen zu Hilfe nehmen können). Und selbst durch die Landschaften scheint ein Pesthauch zu wehen (zumindest ein Mundgeruch). Und am allerschönsten: die zwei fahrigen, über das Blatt zuckenden Skelette. Ich hege ja den Verdacht, dass der Zens sich das Handgelenk vom Zappelphilipp transplantieren hat lassen. Und es wäre mir eine besondere Befriedigung, ein Radarkistl in seinem Atelier zu verstecken und zu messen, wie schnell seine Kunst denn nun wirklich ist.

Erschienen am: 24.11.2000

.


Mit unseren Suchseiten können Sie in der Zeitung und im Internet recherchieren. Nutzen Sie die Link-Sammlungen, um EDV-Unternehmen und Software zu finden.

.