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23.10.2001 - Kultur News
Dem Belvedere tut das neue MQ nicht weh
Gerbert Frodl, Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere, zieht nach einem Monat Konkurrenz zum Museumsquartier Bilanz, dementiert Gerüchte und verrät Zukunftspläne.


"Das Museumsquartier ist nicht nur keine Konkurrenz für uns, wir haben sogar in den ersten Wochen Besucher dazugewinnen können." Gerbert Frodl, Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere, kann nach einem Monat in Konkurrenz zum Museumsquartier eine positive Bilanz ziehen.

"Die Leute erzählen an der Kassa, sie kommen nach Wien, um das MQ zu sehen, und wollen dann unbedingt auch das Belvedere besuchen. Wenn sie sich im Leopold-Museum den Schiele angeschaut haben, wollen sie bei uns auch den Klimt sehen. Unser Vorteil ist die Kombination aus Sammlung, historischem Ort und Ausblick auf Wien. Wir haben die beste Sammlung Österreichischer Kunst. Darüber braucht man gar nicht streiten." Aber: "Konkurrenz ist etwas Tolles und stimuliert."

600.000 Besucher konnte die Österreichische Galerie 2000 in ihre Ausstellungen locken. "Klimt und die Frauen" sahen allein 300.000 Besucher. Gewinn: 24 Millionen Schilling. "Heuer werden wir auf knapp 400.000 kommen, ähnlich wie 1999." Probleme bereiten eher das Untere Belvedere mit dem Minderheitenprogramm Barock und Mittelalter und das neue Atelier im Augarten. "Wenn wir oben 1000 Karten verkaufen, verkaufen wir unten etwa 200", sagt Frodl. "Im Augarten sind die Besucherzahlen steigend. Pro Woche zählen wir etwa 1000 Leute. Man muß etwas tun, damit die Leute kommen."

Neue Pläne gibt es für den Standort Zwanz'ger Haus: Wir überlegen gerade eine strategische Partnerschaft mit Köb (designierter Direktor Mumok) und Seipel (Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums). Wir erarbeiten ein Konzept, die Ausstellungsfläche zu dritt zu nutzen." Das Bildungsministerium hat eine Machbarkeitsstudie für einen Rückbau des Zwanz'ger Hauses in den ursprünglichen Zustand in Auftrag gegen. 60 Millionen Schilling soll dieser kosten. Gerüchte, daß die Österreichischen Galerien mit der Albertina fusioniert werden soll, um Zeichnung und Malerei wieder zusammenzuführen, dementiert Frodl heftig: Daran sei nichts wahr. Aber auch mit der Albertina werden wir - wie mit anderen - Kooperationen eingehen."

Einen guten Riecher bewies Frodl bei aktuellen Ankäufen junger österreichischer Kunst: Heuer hat das Belvedere vom BKA eine Million Schilling aus der ehemaligen Förderung für Galerien für zeitgenössische Kunst bekommen, die jetzt gebündelt alternierend an die Museen vergeben werden. Zwölf neue Werke werden heuer angekauft, unter anderem wurde von "Gelatin" die Dokumentation ihrer Balkon-Aktion am World Trade Center in New York (vor dem Anschlag) erworben. Frodl: "Genau im richtigen Moment."



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