"Das Museumsquartier ist nicht nur keine Konkurrenz für
uns, wir haben sogar in den ersten Wochen Besucher dazugewinnen können."
Gerbert Frodl, Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere, kann nach
einem Monat in Konkurrenz zum Museumsquartier eine positive Bilanz ziehen.
"Die Leute erzählen an der Kassa, sie kommen nach Wien,
um das MQ zu sehen, und wollen dann unbedingt auch das Belvedere besuchen.
Wenn sie sich im Leopold-Museum den Schiele angeschaut haben, wollen sie
bei uns auch den Klimt sehen. Unser Vorteil ist die Kombination aus
Sammlung, historischem Ort und Ausblick auf Wien. Wir haben die beste
Sammlung Österreichischer Kunst. Darüber braucht man gar nicht streiten."
Aber: "Konkurrenz ist etwas Tolles und stimuliert."
600.000 Besucher konnte die Österreichische Galerie 2000
in ihre Ausstellungen locken. "Klimt und die Frauen" sahen allein 300.000
Besucher. Gewinn: 24 Millionen Schilling. "Heuer werden wir auf knapp
400.000 kommen, ähnlich wie 1999." Probleme bereiten eher das Untere
Belvedere mit dem Minderheitenprogramm Barock und Mittelalter und das neue
Atelier im Augarten. "Wenn wir oben 1000 Karten verkaufen, verkaufen wir
unten etwa 200", sagt Frodl. "Im Augarten sind die Besucherzahlen
steigend. Pro Woche zählen wir etwa 1000 Leute. Man muß etwas tun, damit
die Leute kommen."
Neue Pläne gibt es für den Standort Zwanz'ger Haus: Wir
überlegen gerade eine strategische Partnerschaft mit Köb (designierter
Direktor Mumok) und Seipel (Generaldirektor des Kunsthistorischen
Museums). Wir erarbeiten ein Konzept, die Ausstellungsfläche zu dritt zu
nutzen." Das Bildungsministerium hat eine Machbarkeitsstudie für einen
Rückbau des Zwanz'ger Hauses in den ursprünglichen Zustand in Auftrag
gegen. 60 Millionen Schilling soll dieser kosten. Gerüchte, daß die
Österreichischen Galerien mit der Albertina fusioniert werden soll, um
Zeichnung und Malerei wieder zusammenzuführen, dementiert Frodl heftig:
Daran sei nichts wahr. Aber auch mit der Albertina werden wir - wie mit
anderen - Kooperationen eingehen."
Einen guten Riecher bewies Frodl bei aktuellen Ankäufen
junger österreichischer Kunst: Heuer hat das Belvedere vom BKA eine
Million Schilling aus der ehemaligen Förderung für Galerien für
zeitgenössische Kunst bekommen, die jetzt gebündelt alternierend an die
Museen vergeben werden. Zwölf neue Werke werden heuer angekauft, unter
anderem wurde von "Gelatin" die Dokumentation ihrer Balkon-Aktion am World
Trade Center in New York (vor dem Anschlag) erworben. Frodl: "Genau im
richtigen Moment."
© Die Presse | Wien