16.05.2003 21:16
Neues aus dem Quartier 21
Gestaltungswettbewerb für "signalhaftes Element" ausgeschrieben - Wolf D.
Prix als Jury-Vorsitzender
Wien - Noch immer wird im MuseumsQuartier gebaut. Das
Theaterhaus für junges Publikum in den Räumen des ehemaligen Residenzkinos an
der Mariahilferstraße soll 2004 eröffnet werden. Demnächst wird ein
Gestaltungswettbewerb für ein signalhaftes Element, das die Außenwirkung des
Areals erhöhen soll, ausgeschrieben. Das Glacis Beisl wird von Arkan Zeytinoglu
gestaltet, kann mit einem neuen Wintergarten seine Fläche um ein Drittel
vergrößern und im Winter seine Wiedereröffnung feiern. Und auch im quartier21
sind die Umbauaktivitäten noch nicht ganz
abgeschlossen.
Adaptierungen
An die 200 Veranstaltungen mit
insgesamt 50.000 Besuchern habe es im quartier21 seit seiner feierlichen
Eröffnung im September des Vorjahres gegeben, sagt Wolfgang Waldner, Direktor
des MuseumsQuartiers. Ziemlich genau ein Viertel der Flächen werde hier
kommerziell genutzt und vermietet und ermögliche so die niedrigen Mieten der
angesiedelten Kulturinitiativen.
"Mein Konzept ist voll aufgegangen",
meint Waldner, räumt allerdings Anlaufschwierigkeiten und einige notwendig
gewordene bauliche Adaptierungen ein. 31 Mieter sind derzeit vor Ort, zwei
Erstmieter (Institut Fünfhaus und Polyklamott) sind wieder ausgeschieden. Mit
Nachmietern wird derzeit ebenso verhandelt wie mit künftigen Nutzern der
ehemaligen "depot"-Räume, da seit kurzem klar sei, dass eine Rückkehr in das
Museumsquartier schon wegen der fehlenden Subventionen nicht in Frage
komme.
"Ich habe nie versprochen, dass es hier ständig leuchtet und
hupt"
Einige der kleinen Initiativen haben auf Grund von
ausgebliebenen Förderungen keine oder kaum Programmaktivitäten entfalten können.
"Ich habe nie versprochen, dass es hier ständig leuchtet und hupt", sagt
Waldner, "ich habe nur gesagt, dass hier ein Andockmodell entsteht." Dennoch hat
man nun erstmals für Projekte auf den öffentlichen Flächen der beiden
Themenstraßen "transeuropa" und "Electric Avenue" auch Programmförderungsgelder
bereitgestellt. 90.000 Euro beträgt das von Erste Bank und Wiener Stadtwerke
gestiftete Förderungsbudget für das erste Jahr, das Kurator Vitus Weh vergeben
kann.
Im Fischer-von-Erlach-Trakt hat kürzlich die "Kantine" endlich
aufgesperrt, weitere Mieter sind kurz vor Vertragsunterzeichnung, im Mezzanin
hat das nobel eingerichtete Kartenbüro des NÖ Tonkünstlerorchesters seine Arbeit
aufgenommen. Links vom Haupteingang zieht unter dem Titel "MQ Daily" demnächst
ein Nahversorger ein, bei dem sich Besucher und vor allem die rund 500
MitarbeiterInnen des Areals mit Bio-Produkten und Take-Away-Speisen eindecken
können.
Im Ovaltrakt haben mit der New Media Agentur "Collettiva Design"
und einem "Print Center" kürzlich zwei neue kommerzielle quartier21-Mieter ihren
Einzug gehalten. Die vier Künstlerstudios wurden im Rahmen eines
Artist-in-Residence-Programms (samt Stipendium) bereits von 20 Künstlern genutzt
- für Waldner eine Investition in die Zukunft und mitverantwortlich für sich
entwickelnde ausländische Partnerschaften. Rege genutzt werden auch die vier
spartanischen MQ-Gästezimmer, und im ehemaligen Büro von Kuratorin Lioba
Reddeker zieht in Kürze ein "Forum experimenteller Architektur" ein. Waldner:
"Es fängt alles erst richtig zu leben
an".
Sicherheitsaspekte
Direkt vis-a-vis und in Sichtweite
des MuseumsQuartiers hat sich kürzlich der größte Wiener Museumsdiebstahl der
vergangenen Jahrzehnte ereignet. Während für die Sicherheit in den Museen des
Quartiers die einzelnen Häuser selbst verantwortlich sind, ist die
MQ-Gesellschaft für die Überwachung der Außenflächen zuständig. Mit Kameras und
Inspektionsrundgängen wird das Areal kontrolliert. Außerdem sind die
Brandmeldesysteme aller Häuser mit der MQ-Sicherheitszentrale verbunden.
Einbruchalarm wird den MQ-Wächtern jedoch nur aus dem Leopold Museum automatisch
gemeldet.
Die Schaukästen
Die Freiflächen im
MuseumsQuartier können nach einiger Diskussion seit kurzem doch kostenlos von
den auf dem Areal beheimateten Institutionen bespielt werden, "sofern es in
Kooperation mit dem Museumsquartier geschieht und im Interesse des Ganzen
liegt", sagt Wolfgang Waldner, der in einer anderen umstrittenen Frage hart
bleibt: Für den Betrieb jenes Teils der rund 130 Schaukästen auf dem Areal, der
von einzelnen Institutionen für Werbezwecke genutzt wird, verrechnet die
MQ-Gesellschaft pro Schaukasten und Woche 10 Euro.
Waldner gibt
Kommunikationsmängel zu, betont aber gleichzeitig: "Wir haben die
Investitionskosten vorgestreckt, aber es war immer klar, dass wir für den
Betrieb nicht alleine aufkommen werden." Nun würden jene, die dafür nicht zahlen
wollten, eben den Platz frei machen für andere, vor allem kleine Nutzer, die
bereits sehnsüchtig darauf warten würden: "Wir haben so viele Nutzer, dass wir
gar nicht genug Kästen haben. Ich sehe das also relativ
entspannt."
Wettbewerb
Für Spannung könnte dagegen noch
einmal die Frage eines deutlichen gestalterischen Signals nach außen sorgen, die
bereits einmal die Gemüter entzweit hatte. Ein Gestaltungswettbewerb ist
vorbereitet und soll in Kürze vom Aufsichtsrat genehmigt werden. Den Vorsitz der
Jury, in der auch Laurids Ortner vertreten sein soll, übernimmt Architekt Wolf
D. Prix. Als Budget stellt sich Waldner "ein paar 100.000 Euro" vor. Eigentlich
soll die Gestaltung von Teilen der Fassade und des Vorplatzes Gegenstand des
Wettbewerbs sein, aber Waldner versichert, dass auch "Architekturelemente"
erwünscht seien: "Natürlich hängt das Ganze auch mit dem fehlenden Leseturm
zusammen." (APA)