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Träume in Kiosken und auf Pfählen

Die unerträgliche Hitze hat es leicht, die durchwegs schwächelnde Kunst der 50. Biennale von Venedig in den Schatten zu stellen.

VENEDIG. Am Samstag wurde die Jubiläums-Kunstschau eröffnet, die den Anspruch erhebt, anhand der Arbeiten von fast 400 Künstlern aus 60 Ländern einen Querschnitt durch die Kunst von heute zu bieten. Francesco Bonami hat "seiner" ersten Biennale den Titel "Träume und Konflikte: Die Diktatur des Zuschauers" gegeben, ausgebreitet in den diversen Länderpavillons in den Giardini, im Arsenale, im Museo Correr bzw. an zahllosen Spielorten quer durch die Lagunenstadt.

Die "Sieger" der Biennale 2003 stehen fest: Goldene Löwen für ihr Lebenswerk erhalten die Grand Dame der italienischen Malerei, Carol Rama, bzw. Objektkünstler Michelangelo Pistoletto. Die geheime Hoffnung Österreichs, mit der Präsentation von Bruno Gironcoli heuer den besten Pavillons ausgerichtet zu haben, wurde enttäuscht. Als bester Nationen-Beitrag wurde Luxemburg gewertet, als beste Künstler das Schweizer Duo Fischli/Weiss und die jungen Briten Oliver Payne und Nick Relph.

Für Peter Weiermair - Museumsdirektor in Bologna mit Tiroler Wurzeln - ist die heurige Biennale von Venedig die schlechteste, an die er sich erinnern kann. Das liegt primär an dem im Arsenale untergebrachten Ausstellungsteil, der bisher immer als freches junges Pendant zu den traditionell klassisch ausgerichteten Länderpräsentationen angelegt war.

Diesmal reiht sich dagegen im Arsenale in einem achtteiligen Marathon Ausstellung an Ausstellung, die aufgehängt sind an Themen wie "Individuelle Systeme" - wo sich auch die Österreicher Josef Dabernig und Florian Pumhösl tapfer schlagen - oder an geografischen Orten. Wirklich in Erinnerung bleibt wird von dem hier Gezeigten kaum etwas, auch Tendenzen abzulesen käme Wahrsagerei gleich. Außer der, dass die Malerei heute weniger denn je tot ist.

Schön bzw. interessant sind dagegen einige der Länderpavillons. Nichts zuletzt der österreichische, den Bruno Gironcoli als "wunderbaren Kiosk" bezeichnete, in bzw. vor den der Kärntner sechs seiner riesigen surrealen Skulpturen aus den vergangenen 30 Jahren gestellt hat. Zu irritieren versteht auch die Australierin Patricia Piccinini mit ihren verstörend realistischen Bildern einer von der Gentechnik dominieren Welt, wogegen der Amerikaner Fred Wilson die Rassendiskriminierung in ironischem Pathos zelebriert. Chris Ofili dekoriert dagegen den britischen Pavillon mit seinen in Rot und Grün - teilweise unter Beimischung von Elfantendung - gemalten Bildern.

Den tiefsten Eindruck der Biennale hinterlässt der israelische Pavillon, den Michael Rovner mit seinen beklemmend suggestiven Videos bespielt. Sich unübersehbar in Szene setzt sich auch in Venedig Christoph Schlingensief mit seinen sieben Säulenheiligen, die eigentlich Obdachlose sind und der Hitze zur Trotz auf ihren Pfählen tapfer ausharren.


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Giardini, Arsenale, Museo Correr und diverse andere Ausstellungsorte in Venedig; bis 2. November, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
2003-06-15 17:13:48