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21.05.2005 - Kultur&Medien / Kommentare
Die Hybris der Erfolgreichen
VON BARBARA PETSCH

S
tundenlanges Tauchen in den Bi lanzen des Kunsthistorischen Mu seums absolvierten die Journalisten am Freitag. Rechnungshof und KHM-Kuratorium beschuldigten einander, mit falschem Maß zu messen. Die beleidigten RH-Prüfer, die ihr eloquenter Präsident bei der Pressekonferenz nicht einmal zu Wort kommen ließ. Hernach: Die soignierten Herren aus der Wirtschaft im KHM. Fast ein Theaterstück. Der Betriebsprüfer als natürlicher Feind des Steuerberaters, hieß das Drama. Und die politische Opposition bildet den Chor. Rücktritt! Skandiert sie seit Monaten. Weg mit KHM-Generaldirektor Seipel!

Nein. Seipel wird nicht zurücktreten, und die Ministerin wird ihm das auch kaum anraten. Schließlich ist er der Architekt der Museums-Reform. Seipel hat glanzvoll fortgesetzt, was Ex-Wissenschaftsminister Busek, der ihn geholt hat, begann: Schluss mit den "Dark and Dirty Mausoleums of the Past." Auch das ein Busek-Diktum. Die Museen wuchern heute mit ihren üppigen Talenten, sie sind saniert, reorganisiert. Was zählen da fehlende Belege, Reiseabrechnungen? Und dass kreative Architekten kostspielig sind, ist auch eine Binsenweisheit.

Seipel geht jedoch nicht unbeschädigt aus der Kontroverse hervor. Zu locker ist er mit (Steuer-)Geld, öffentlichem Gut umgegangen, tyrannisch mit Mitarbeitern, arrogant mit Kritikern. Er hätte es verdient, seine letzten Dienstjahre ohne Schatten zu verbringen, den er sich nun selber zugezogen hat. Derzeit prüft der RH in der Albertina (Bauliches). Dort sitzt der nächste Spezialist für selbstherrliches Auftreten. Dem Tüchtigen gehört die Welt. Nur wer nichts tut, kann keine Fehler machen. Sehr richtig. Bloß, die Rechnung für Eigenwilligkeiten von Persönlichkeiten wie Seipel oder Schröder zahlen andere. Größere Museen bekommen nun teure Geschäftsführer. Das Misstrauen der Politiker, der Kontrollinstanzen, der Öffentlichkeit ist gewachsen. Das wird sich auswirken, wenn Seipel längst im Ruhestand ist. (Bericht: S. 34)

barbara.petsch@diepresse.com

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