Witz als Würze der Kunst
Gudrun Weinzierl Salzburg (SN). „Eine der oft vergessenen Komponenten der Kunst ist, dass sie Freude machen und fröhlich stimmen soll“, sagt der 83-jährige Künstler Francois Morellet, dem die Salzburger Galerie Ruzicska ihre Sommerausstellung widmet (bis 30. August). Es ist in Österreich die erste Einzelausstellung dieses Künstlers, der bisher vier Mal auf der Biennale von Venedig und drei Mal auf der „documenta“ vertreten war.
Morellet will entmystifizieren und enttäuschen, er will den Personenkult um den Künstler – und die Großen allgemein – aufbrechen, er will die Wahrnehmung, in Kunst etwas Erhabenes vorzufinden, infrage stellen. Mit seinen Kombinationen aus Malerei und Licht hat er eine ungewöhnliche Position eingenommen: Er arbeitet geometrisch-abstrakt und dadaistisch zugleich.
Er war Spielwaren- und Kinderwagenfabrikant und ist als Künstler Autodidakt. „80 Prozent meiner Arbeit sind Linien“ sagte Morellet. Um diese Strenge an Rastern, Quadraten und Kreisen verdaulich zu machen, seien ihm „Humor, Ironie, Spott und Frivolität die notwendige Würze“. Augenfällig wird das in seinen Werktiteln, etwa in einer Werkserie die „Raté“, auf deutsch „missraten“ oder „Fehlschlag“ heißt. Eine andere Serie heißt „La géométrie dans les spasmes“ (Geometrie in den Zuckungen). Francois Morellet achtet die Geometrie, und nimmt sie andererseits nicht allzu ernst: Ein Quadrat zerfällt in seine rechten Winkel, ein Kreis löst sich in Segmentbögen auf.
Als er vor 60 Jahren zu malen begann, war er strenger Konstruktivist und bestrebt, jede persönliche Handschrift zu vermeiden. Aber bald erlaubte er dem Zufall – also dem Widerspruch zur mathematischen Regelhaftigkeit – in sein Werk einzuziehen. Beispielsweise entstanden zweifarbige Bilder aus winzig kleinen Quadraten, wobei die Abfolge der Farbquadrate stur nach der Abfolge gerader und ungerader Ziffern in einem Telefonbuch erfolgte. Auch die Zahl Pi mit ihrer unendlichen Ziffernabfolge gab Francois Morellet häufig die Grundlage für Bildkompositionen.
Francois Morellet in der Galerie Ruzicska, Faistauergasse 12, Salzburg, bis 30. 8. www.ruzicska.com




















