Wiener Zeitung · Archiv


Kunstberichte

Markus Schinwalds minimale Eingriffe

Markus 
Schinwald vertritt heuer Österreich. Foto: Schinwald/Biennale 2011

Markus Schinwald vertritt heuer Österreich. Foto: Schinwald/Biennale 2011

Aufzählung Kommissärin Eva Schlegel schickt Markus Schinwald zur Biennale.

Wien. (bbb) Kommissärin Eva Schlegel setzt einen Auftakt mit einem Förderverein und der Videoplattform "Approaching Venice", die alle zwei Wochen bis Mai kritische Interviews zur Biennale mit Künstlern, Sammlern und Kuratoren anbietet. Als widersprüchlichen Akzent zum Motto "Illumination" hat Schlegel bei ihrer Nominierung von Markus Schinwald an Schatten gedacht. Der Meister multimedialer Inszenierungen hat eine Vorliebe für dunkle Bühnen undverschlüsselteHandlungen, die erironisch zwischen Unheimlichem und Vertrautem pendeln lässt.

So verwundert der Hinweis kaum, dass es auch das soziale Klima Österreichs anhand des Pavillons und seiner Geschichte zu reflektieren gilt.

Der 1973 in Salzburg geborene Absolvent der Linzer Hochschule für Gestaltung studierte experimentelle visuelle Gestaltung und Kulturwissenschaften an der Humboldtuniversität in Berlin. Er will den Betrachter selbst zum Performer im österreichischen Pavillon machen, wobei er verunsichernde neue Achsen und Kellerlabyrinthe ankündigt. Architektonische Elemente betrachtet er synonym zu Termini aus der Psychoanalyse, man kann sich also auf klaustrophobe Situationen gefasst machen. Das Bühnensystem wird auch als Display für die Präsentation seiner bekannten filmischer Inszenierungen und Installationen genützt.

2005 bekam Schinwald den T-Mobile-Award zugesprochen, 2007 den Preis der Stadt Wien und den Wilfried-Skreiner-Preis. Seine Werke sind unter anderem in der Tate Modern in London präsent.

Betrachter konfrontiert der Künstler mit einem sich ständig verändernden Menschenbild im aktuellen sozialen Kontext. Konstruktionen des Körpers decken Kontrollsysteme auf, Prothesen als Schmuck und marionettenhafte Skulpturen verunsichern stark, surreal anmutende Vorhangschleier wirken mysteriös in Geschichten ohne Anfang und Ende. Er führt in ein nächtliches Zwischenreich von Film, Theater und Performance und in die Meta-Ebenen künstlerischen Agierens – oft in bekannten Räumen wie jenen von Architekt Günther Domenig.

Auch Installationen und minimale Eingriffe in alte Bilder und Stiche zeigen seine aktuelle Schwebeposition zwischen Kunstgattungen; dazu reichert Schinwald seine düstere Welt mit Sprache, Sound und Geräuschen an. Es fällt gerade in Wien schwer, sich seinen eigenwilligen Überraschungseffekten zu entziehen. Diese Sicht hätte in Venedig mit den zwanghaften Körpersituationen einer Ulrike Lienbacher oder den ironischen Gesellschaftskritiken der Videokünstlerin Anna Jermolaewa verbunden werden können, Schlegel verzichtet aber auf eine Mehrfachnominierung. Trotz des Abweichens von ihrer oft feministischen Haltung kann ihre Entscheidung aber aus Qualitätsgründen nur begrüßt werden. http://www.labiennale.at

 

Printausgabe vom Donnerstag, 27. Jänner 2011
Online seit: Mittwoch, 26. Jänner 2011 18:57:00

Kommentar senden:
Name:

Mail:

Überschrift:

Text (max. 1500 Zeichen):

Postadresse:*
H-DMZN07 Bitte geben sie den Sicherheitscode aus dem grünen Feld hier ein. Der Code besteht aus 6 Zeichen.



* Kommentare werden nicht automatisch veröffentlicht. Die Redaktion behält sich vor Kommentare abzulehnen. Wenn Sie eine Veröffentlichung Ihrer Stellungnahme als Leserbrief in der Druckausgabe wünschen, dann bitten wir Sie auch um die Angabe einer nachprüfbaren Postanschrift im Feld Postadresse. Diese Adresse wird online nicht veröffentlicht. Bitte beachten Sie unsere Feedback-Regeln.

Wiener Zeitung · 1040 Wien, Wiedner Gürtel 10 · Tel. 01/206 99 0 · Mail: online@wienerzeitung.at