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„Das Museum bin ich“

Wer im Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Wien wenige Tage nach dem Rücktritt von dessen Direktor Peter Noever eine Eintrittskarte kauft, bekommt um 7,90 Euro den dünnsten und billigsten Kassabon, den man sich vorstellen kann. Das verwundert, war doch das MAK bisher gar nicht geizig mit exquisitesten Drucksorten.

Dass es keine schöne Eintrittskarte gebe, liege an technischen Problemen, sagte der Kassier im MAK. Schade! Noch vor Kurzem zierte ein Foto des Direktors die Tickets (siehe Bild rechts). Vermutlich ist das MAK das einzige Museum der Welt, in dem jeder Besucher den Direktor derart zu Gesicht bekommt.

Weltweit einzigartig dürfte auch sein, dass sogar Postkarten mit dem Antlitz des Direktors verkauft werden. Im Museumsshop des MAK gibt es derzeit fünf zur Auswahl mit jeweils anderen Künstlern. Jede Postkarte kostet einen Euro. Wer jene mit Peter Noever, Kurt Hofstetter und Heidulf Gerngross per Post verschickt, sieht sogar auf der Rückseite auf dem Feld für die Briefmarke noch einmal wen? Peter Noever.

All dies lässt sich in knappe Botschaften zusammenfassen: „Das Museum bin ich.“ „Die Kunst bin ich.“ „Die Eintrittskarte bin ich.“

Diese Sätze sind nun ins Präteritum zu setzen, denn der Sonnenkönig musste abtreten, nachdem aufgrund von monatelangem Nachbohren der Grünen entdeckt worden war, dass Peter Noever auf Kosten des von ihm geleiteten staatlich subventionierten Museums zum Beispiel Geburtstage seiner Mutter gefeiert hatte. Nach erster, noch fortzusetzender Prüfung und nach Erstattung von Strafanzeige hat sogar die bisher äußerst noeverfreundliche Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) einen Schaden von 100.000 Euro genannt. Das ist vermutlich mehr, als der MAK-Kassier in vier Jahren netto verdient.

Faszinierend an Peter Noever bleibt allerdings, dass ihm nicht nur Malversationen vorzuwerfen sind, sondern dass er jahrzehntelang als Kunstenthusiast aktiv gewesen ist. Viele halten ihm deswegen die Stange, was auf der Webseite www.propeternoever.at zu lesen ist.

Etwa Erwin Wurm: „Ich bedaure die Hexenjagd auf Noever und, dass man ihn nicht dafür würdigt, was er für Kunst und Künstler getan hat, sondern an ihm ein Exempel statuiert, das man in Hunderten Fällen politischer Verantwortungsträger versäumt hat.“

Und Daniel Spoerri: „Lieber Peter Noever, hoffentlich kannst du noch viele weitere Geburtstage mit deiner Mutter feiern. Das wünsche ich dir, und hoffentlich lädst du mich das nächste Mal auch ein.“ Auch Robert Menasse: „Der Rücktritt von Peter Noever (Konsequenz der unausgesetzten Tritte der Grünen in Noevers Hintern) zeigt, dass die Grünen kulturpolitisch ahnungslos sind.“

Kultur / 01.03.2011 01.03.2011 / Print

 
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