

Wien - Auszeichnungsregen für Franz West bei der Kunstbiennale Venedig: Der österreichische Künstler wird am kommenden Samstag bei der großen Kunstschau nicht nur mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk geehrt, schon am Tag davor (3. Juni) erhält er auch das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, wie das Kulturministerium mitteilte. Mit der Überreichung durch Bundespräsident Heinz Fischer ist West Mitglied der Kurie für Wissenschaft und Kunst, der jeweils bis zu 18 österreichische und 18 internationale Persönlichkeiten angehören.
"Franz West zählt zu den herausragenden Ausnahmekünstlern der Gegenwart", so Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) in einer Aussendung. "Er lässt eng definierte Genres stets hinter sich. Er versteht es, Wirkung und Aussage provokativ und innovativ zu verschmelzen. Kunstöffentlichkeit und Kunstmarkt haben längst seine künstlerische Einzigartigkeit und Genialität erkannt." Sie freue sich auf die Begegnung mit West in Venedig, wo für Österreich heuer "ein besonderes Jahr" anstehe.
Franz West, am 16. Februar 1947 in Wien geboren, unternahm zunächst autodidaktische Studien. Von 1977 bis 1982 studierte er dann bei Bruno Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Seiner ersten Ausstellung 1970 in der Wiener Galerie Hamburger folgten unzählige wichtige Einzelausstellungen und Beteiligungen an Gruppenausstellungen auf der ganzen Welt. Mit seinen "Möbeln" hat West die Untersuchung der physischen, psychischen, profanen und kultischen Dimensionen der Skulptur weiter vorangetrieben.
Stühle und Liegen, die aus Eisen und Industrieschrott zusammengeschweißt wurden, luden an ausgewählten Orten zur Benützung und Betrachtung ein; etwa im Kunsthistorischen Museum, bei der "documenta 9" oder in Venedig 1990. In Debatten, ob seine Objekte nun Kunst oder Gebrauchskunst oder Nicht-Kunst sind, ob das Werk womöglich erst durch Benutzung und Besetzung des Besuchers zur Kunst wird, mischt sich Franz West erst gar nicht ein.
Von 1992 bis 1994 übernahm West eine Professur an der Frankfurter Städelschule. 1993 wurde er mit dem mit 300.000 Schilling (21.800 Euro) dotierten Skulpturenpreis der EA-Generali Foundation ausgezeichnet. Im November 2001 erregte ein Rekordpreis für eine Papierarbeit von Franz West Aufsehen: Sein "Schirches Bild" erzielte bei einer Auktion des Dorotheums in Wien einen Preis von 384.000 Schilling (27.906 Euro). 1998 erhielt er den mit rund 100.000 Euro dotierten Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig in Köln. Im vorigen Herbst war West sowohl eine Personale beim "steirischen herbst" als auch eine Einzelausstellung von Großskulpturen in Rom gewidmet. (APA)
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