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Der in London lebende türkische Film- und Videokünstler Kutlug
Ataman, der Mitte der neunziger Jahre international bekannt wurde und
seitdem an den grossen Kunstereignissen wie der Biennale Istanbul 1997,
der Manifesta 2 1998, der Biennale Venedig 1999 oder der Berlin Biennale
2001 beteiligt war, geht in seinen Arbeiten der Gratwanderung zwischen
Dokumentation und Fiktion nach. Was ist Wahrheit und was entsteht aus der
Selbsttäuschung heraus, was wurde gelebt und was ist frei erfunden. Um
diese spannungsreiche, zu den verschiedenen, kaum unterscheidbaren Polen
ausschwingende Linie mit intensiven Bildern, Lebensnähe, Politik und
gesellschaftlichen Anknüpfungspunkten zu füllen, lässt Ataman Menschen,
zumeist Randfiguren der türkischen Gesellschaft, von sich erzählen. Alle
lehnen sich gegen die traditionelle Rollenverteilung auf und versuchen auf
ihre Weise, mit repressiven Normen umzugehen. In ‹semiha b. unplugged›,
1997, beispielsweise setzt sich eine berühmte türkische, heute 92-jährige
Diva in Szene. Die Dramen ihres Lebens, von denen sie erzählt, sind kaum
von den Charakteren berühmter Opern zu trennen. In ‹Woman who were wigs›,
1999, kommen vier türkische Frauen zu Wort, die aus ganz unterschiedlichen
Gründen Perücken tragen. Die eine, weil sie sich seit dreissig Jahren als
Terroristin versteckt, die zweite, weil sie aufgrund einer Chemotherapie
ihre Haare verlor, die dritte, weil sie an der westlichen Universität kein
Kopftuch tragen darf, die vierte schliesslich, weil sie eine transsexuelle
Prostituierte ist, der die Polizei die Haare abschert. In ‹Never my Soul›,
2001, steht eine türkische Transsexuelle und Dialysepatientin im
Mittelpunkt. Bis 28.4. |
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