VN Sa, 1.6.2002

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Kultur 

Ein Auto, das nicht fährt . . .

Die amerikanische Künstlerin Rita McBride im Kunstmuseum Vaduz

VON ARIANE GRABHER

Vaduz (VN) Ein Auto, das nicht fährt, aus Rattan geflochten, eine Arena im Museum und die in den musealen Innenraum verlegte Struktur der Villa Savoye von Le Corbusier - das sind nur einige der raumgreifenden Arbeiten der amerikanischen Künstlerin Rita McBride, die die aktuelle Ausstellung im Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz bestreitet.

Die große Treppe des Museums hinaufsteigend, mit der Höhe an Ausblick gewinnend, nähert man sich der gelben, hölzernen "Arena" von Rita McBride aus ungewohnter Perspektive. Diese darf man gleich beibehalten, denn beim Hinauf- und Hinunterklettern an der leeren, monumentalen Form erlebt man in der inszenierten Wechselbeziehung von Raum und Mensch den Oberlichtsaal aus einem veränderten Blickwinkel.

Präsenz einer Idee

Architektonisch-formal ein Oval mit Eingängen und Ausgängen ist eine Arena ein Ort für große Menschenansammlungen. Steht ein Museumsbesuch, als individuelle, kontemplative Angelegenheit diesen Vorgaben fast diametral gegenüber, stellt sich die Arena für die 1960 in Iowa geborene, in New York lebende und arbeitende Künstlerin Rita McBride als ein komplex besetzter Ort dar, mit dessen Typologie sie sich bereits seit längerer Zeit beschäftigt. Ursprünglich 1997 für das Witte de With Center in Rotterdam entworfen, war "Arena" von Anfang an nicht an einen festen Ort gebunden, sondern als zerlegbare, mobile Architektur aus Modulen konzipiert. Doch Rita McBride ist Bildhauerin, Form und Inhalt sind ebenso ihr Thema wie Realität und das Abbild von Realität und so ist "Arena" vor allem auch Skulptur. Eine Skulptur, die mit der physischen und psychischen Qualität von Sinn-Orten jongliert, und sich manifestiert als "die körperliche Präsenz einer Idee" (McBride).

Vermittelt "Arena" ein Gefühl von Dynamik und eine Ästhetik, die an High-Tech erinnert, so baut Rita McBride ebenso ernst wie humorvoll an weiteren Modellen, die gekoppelt sind mit Fragen der Zivilisation und der sozialen Interaktion.

Nackt und fremd?

Dazu gehört der aus Rattan geflochtene "Toyota", ebenso wie die Spielautomaten oder die lila Markisen, wie sie Geschäftseingänge überdachen und dort einen zwar definierten, aber von niemandem besetzten Raum markieren. In der eigens für Vaduz konzipierten "Villa Savoye" verlegt die Künstlerin die Struktur dieser Ikone der modernen Architektur von Le Corbusier in den musealen Raum. Gespickt mit außertourlichen Details, umgeben von Werken aus der Sammlung und einem bildhaften Ausblick in die Natur, stellt die Villa Savoye einen der Höhepunkte in dieser Schau mit Erlebniswert dar, die von der Spannung zwischen künstlerischem Objekt und benutzbarer Architektur lebt. Weder fremd noch nackt bleibt eine Frage zum Schluss: Was hat es mit dem Titel "Naked Came The Stranger" auf sich? Bezugnehmend auf eine Gruppe, die sich in den 60ern zusammengeschlossen hat um einen Groschenroman zu verfassen, bezeichnet er in Vaduz die begleitende Publikation. 13 Künstler und Kuratoren betätigen sich im Stil der Trivialliteratur an einem erotisch angehauchten Roman, der von einer Künstlerin und ihrem nomadenhaften Leben handelt.

Arbeit von Rita McBride. (Foto: A. Grabher)




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