VON ARIANE GRABHER
Vaduz (VN) Ein Auto, das nicht fährt,
aus Rattan geflochten, eine Arena im Museum und die in den musealen
Innenraum verlegte Struktur der Villa Savoye von Le Corbusier - das
sind nur einige der raumgreifenden Arbeiten der amerikanischen
Künstlerin Rita McBride, die die aktuelle Ausstellung im Kunstmuseum
Liechtenstein in Vaduz bestreitet.
Die große Treppe des Museums hinaufsteigend, mit der
Höhe an Ausblick gewinnend, nähert man sich der gelben, hölzernen
"Arena" von Rita McBride aus ungewohnter Perspektive. Diese darf man
gleich beibehalten, denn beim Hinauf- und Hinunterklettern an der
leeren, monumentalen Form erlebt man in der inszenierten
Wechselbeziehung von Raum und Mensch den Oberlichtsaal aus einem
veränderten Blickwinkel.
Präsenz einer Idee
Architektonisch-formal ein Oval mit Eingängen und
Ausgängen ist eine Arena ein Ort für große Menschenansammlungen.
Steht ein Museumsbesuch, als individuelle, kontemplative
Angelegenheit diesen Vorgaben fast diametral gegenüber, stellt sich
die Arena für die 1960 in Iowa geborene, in New York lebende und
arbeitende Künstlerin Rita McBride als ein komplex besetzter Ort
dar, mit dessen Typologie sie sich bereits seit längerer Zeit
beschäftigt. Ursprünglich 1997 für das Witte de With Center in
Rotterdam entworfen, war "Arena" von Anfang an nicht an einen festen
Ort gebunden, sondern als zerlegbare, mobile Architektur aus Modulen
konzipiert. Doch Rita McBride ist Bildhauerin, Form und Inhalt sind
ebenso ihr Thema wie Realität und das Abbild von Realität und so ist
"Arena" vor allem auch Skulptur. Eine Skulptur, die mit der
physischen und psychischen Qualität von Sinn-Orten jongliert, und
sich manifestiert als "die körperliche Präsenz einer Idee"
(McBride).
Vermittelt "Arena" ein Gefühl von Dynamik und eine Ästhetik, die
an High-Tech erinnert, so baut Rita McBride ebenso ernst wie
humorvoll an weiteren Modellen, die gekoppelt sind mit Fragen der
Zivilisation und der sozialen Interaktion.
Nackt und fremd?
Dazu gehört der aus Rattan geflochtene "Toyota", ebenso
wie die Spielautomaten oder die lila Markisen, wie sie
Geschäftseingänge überdachen und dort einen zwar definierten, aber
von niemandem besetzten Raum markieren. In der eigens für Vaduz
konzipierten "Villa Savoye" verlegt die Künstlerin die Struktur
dieser Ikone der modernen Architektur von Le Corbusier in den
musealen Raum. Gespickt mit außertourlichen Details, umgeben von
Werken aus der Sammlung und einem bildhaften Ausblick in die Natur,
stellt die Villa Savoye einen der Höhepunkte in dieser Schau mit
Erlebniswert dar, die von der Spannung zwischen künstlerischem
Objekt und benutzbarer Architektur lebt. Weder fremd noch nackt
bleibt eine Frage zum Schluss: Was hat es mit dem Titel "Naked Came
The Stranger" auf sich? Bezugnehmend auf eine Gruppe, die sich in
den 60ern zusammengeschlossen hat um einen Groschenroman zu
verfassen, bezeichnet er in Vaduz die begleitende Publikation. 13
Künstler und Kuratoren betätigen sich im Stil der Trivialliteratur
an einem erotisch angehauchten Roman, der von einer Künstlerin und
ihrem nomadenhaften Leben handelt.
Arbeit von Rita McBride. (Foto: A. Grabher)