19.05.2003 19:28
Der Künstlerblick auf die Stadtplanung
Wenn Raum- und Stadtplaner vom "Speckgürtel" sprechen, haben sie eine
klare Begriffsdefinition vor Augen...
Wenn Raum- und Stadtplaner vom "Speckgürtel" sprechen, haben sie
eine klare Begriffsdefinition vor Augen: Sie meinen jenen Bereich der
globalisierten, äußeren Peripherie von Städten, in der sich Shoppingcenter und
Gewerbebetriebe angesiedelt haben - in architektonisch überwiegend grauslichen
Zweckbauten, ohne Rücksicht auf Verkehrsanbindung, Landschaftsschutz oder die
wirtschaftliche Ausdünnung der Zentren.
Dass die Stadt Salzburg immer
wieder als typisches Anschauungsobjekt für diese Art von Entwicklung genommen
wird, kommt nicht von ungefähr: Die herausragende Landschaft und die historische
Bedeutung der Altstadt stehen in besonders scharfem Kontrast zu den Geschwüren
in der Peripherie.
Der vorliegende Band zum Thema ist aus einem Projekt
der Meisterklasse Architektur an der Internationalen Sommerakademie für bildende
Kunst im Sommer 2001 hervorgegangen. Leiter der Klasse war Richard Plunz,
Architekturprofessor an der Columbia University New York.
Jenen, die
sich regelmäßig mit der Materie befassen, wird die Publikation kaum neue
Erkenntnisse vermitteln. Herausragend ist die Studie aber wegen ihrer
künstlerischen Präsentation. Wenn die idyllische Stadtansicht, die sich auf den
Mozartkugelverpackungen findet, grafisch über eine Agglomeration von
Fertigteilhallen am Stadtrand gelegt wird, sagt das vielleicht mehr als ein
mehrseitiger Aufsatz. Ähnlich gelungen ist beispielsweise auch die künstlerische
Umsetzung zum Thema "Zersiedelung" beziehungsweise "Verdichtung": Immerhin sind
51 Prozent aller Wohnbauten Einfamilienhäuser, in denen aber nur 17 Prozent
aller Wohnungen zu finden sind. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.5.2003)