01.10.2003 11:39
"Glatter Gesetzesbruch durch
Landesregierung"
Aktuelle Bestellung von Agnes
Husslein zur Geschäftsführerin der neuen Rupertinum- Betriebsgesellschaft wird
von Salzburgs Grünen als Rechtsbruch gewertet
Salzburg - Die Leiterin des Salzburger Rupertinums, Agnes
Husslein, und ihre politischen Mentoren in der Landesregierung sind wieder
einmal ins Kreuzfeuer der Opposition im Landtag geraten. Salzburgs Grüne
kritisieren, dass Husslein Ende August zur alleinigen Geschäftsführerin der kurz
davor gegründeten "Museum der Moderne - Rupertinum Betriebsgesellschaft"
bestellt worden war.
Da die Museums-Betriebsgesellschaft in Landesbesitz
sei, wäre der Job laut "Bundesgesetz über Transparenz bei der Stellenbesetzung
im staatsnahen Unternehmensbereich" aber auszuschreiben gewesen, meinen der
Gemeinderatsklubobmann der Bürgerliste, Helmut Hüttinger, und
Grünen-Landessprecher Cyriak Schwaighofer.
Dies sei jedoch nicht
passiert: Die Bestellung Hussleins somit "ein glatter Gesetzesbruch der
Landesregierung". Da das Bundesgesetz jedoch keine Sanktionsmöglichkeiten
vorsehe, werde der Vorgang "keine rechtlichen Konsequenzen" mit sich bringen, so
Hüttinger - im Zivilleben Rechtsanwalt. Politisch verantwortlich sind für
Hüttinger und Schwaighofer VP-Landeshauptmann Franz Schausberger und
SP-Kulturlandesrat Othmar Raus. Die Grünen verlangen eine rasche Ablöse
Hussleins und ein neues, vor allem aber ein gesetzeskonformes
Bestellungsverfahren.
Das Festhalten an ihrer Museumschefin bereitet
Schausberger und Raus nicht zum ersten Mal politische Probleme. Schon die
Bestellung der Society-Lady zur Leiterin des Rupertinums im Jahr 2000 sorgte für
Wirbel. "Obwohl Exmuseumschef Peter Weiermair noch bis Mitte des Jahres 2001
unter Vertrag war, wurde Husslein schon Ende 2000 engagiert, nur um das
Salzburger Objektivierungsgesetz zu umgehen", erinnern sich die Grünen. In Folge
sei die umstrittene Museumsleiterin vor allem durch "Konzeptlosigkeit" und
"Inkompetenz in Menschenführung" aufgefallen. Laut Schwaighofer wären in einer
beispiellosen Kündigungswelle mehr als die Hälfte der Mitarbeiter aus dem
Betrieb geworfen worden.
Eine inhaltliche Stellungnahme zu den Vorwürfen
war vom ressortzuständigen Kulturlandesrat Raus nicht zu erhalten. Sein Büro
teilte lediglich mit, dass die Personalabteilung des Landes den
Bestellungsvorgang überprüfen werde. (neu/DER STANDARD; Printausgabe,
01.10.2003)