| Salzburger Nachrichten am 3. Oktober 2005 - Bereich: kultur
Verzicht auf Provokation Elke Krystufek
enttäuschte im "Hundsturm"
Wien (SN-mo). In ihren ersten Wochen des Bestehens wurden in der neuen
Spielstätte des Wiener Volkstheaters, dem "Hundsturm" beim Gürtel, Akzente
gesetzt. Auf Fritz Katers Arbeitslosenstück "Drei von fünf Millionen"
folgte am Wochenende eine Performance von Elke Krystufek. Mit ihrem
Ensemble, Schauspielern des Volkstheaters und der Schauspielschule Krauss,
interpretierte sie Texte von Elfriede Jelinek und Chansons. Krystufeks
Kunst hatte bis dahin eine enorme Fallhöhe erreicht: Man erwartet von ihr
Exzess, Ungezügeltes, Selbstentäußerung. Die neue Stufe der
Krystufek'schen Provokation ist daher offenbar der Verzicht darauf. Ihre
jüngste Performance erwies sich als gesittet und artig. Der
Scheinwerferkegel fiel auf verschiedene Orte des Raums, an denen schrill
gekleidete oder nackte Schauspielerinnen und Schauspieler Texte aufsagten
und Chansons mehr krächzten als sangen. Ein Stück folgte aufs nächste -
Elke Krystufek lies sich auf einem fahrbaren Elefanten herumschieben und
fotografierte. Nach der pseudoprovokanten Revue bleibt der Eindruck, es bei Elke
Krystufek mit einer gnadenlosen Selbstdarstellerin zu tun zu haben, die
das tut, was ihr gerade durch Kopf und Körper geht. |