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Kunstberichte
Ausstellung: Zoe Leonard. Photographs

Leiser Wandel des Blickfelds

Ein ungewöhnlicher Blick: "Frontal View" auf einer Modeschau. Foto: Zoe Leonard

Ein ungewöhnlicher Blick: "Frontal View" auf einer Modeschau. Foto: Zoe Leonard

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Schlicht "Photographs" nennt sich die erste internationale Personale über das Werk der 1961 in New York geborenen Zoe Leonard im Mumok. Neben älteren Serien bereitet die Künstlerin hier ihren Werkkomplex "Analogue" neu auf: 412 Beobachtungen mit der Kamera in ihrem Stadtviertel zwischen 1998 und 2009.

Diese Farbfoto-Blöcke sind schon auf der Documenta 2007 als Beitrag einer globalisierten Kartografie mit der Kamera aufgefallen. Wie sich die Geschäftslokale in Leonards Viertel verändern, das weist mehr auf einen Verlust denn einen Gewinn durch die Globalisierung – da ist die Künstlerin soziologisch feinfühlig. Dabei sind diese Aufnahmen keine Dokumente des Kulturverfalls, eher eine subtil-archäologische Spurensuche. Die Fotografin interessiert sich für Formen, Schriftzeichen und das Spiel zwischen Objekt und dessen fotografischer Reproduktion – stets schwingt hier eine Reflexion auf das eigene Tun mit, stets ist der Blick durch die Kamera forschend.

Passend dazu hieß eine Ausstellung im Museum of Modern Art, an der Leonard 1999 beteiligt war, "The Museum as Muse: Artists Reflect" – im Mumok zeigt nun ein Lichtschein in einem Spiegel präzise und doch poetisch die Reflexion des Künstlerin.

Fotografie als Sprache

Leonards Perspektiven – aus der Untersicht oder Augenhöhe – brechen mit dem machtvoll-männlichen Blick von oben; Irritationen sind erwünscht. Dementsprechend wurde ihr Werk auf Biennalen auch als feministischer Beitrag gefeiert. Posen, die Menschen automatisch vor der Kamera einnehmen, belässt Leonard, retouchiert nie. Dabei überlässt sie an der Wand nichts dem Zufall, beachtet sowohl das Format wie auch die Höhe der Hängung.

Fotografie ist für sie auch Symbolsprache: So beinhalten die vielen Baummotive selbst religiöse Aspekte, stehen für ursprüngliche Wurzeln im Stadtgebiet.

Leonards genaue Observierung lädt alle Gegenstände mit Magie auf – und trotzdem bleiben die Motive alltäglich und so melancholisch unscheinbar, als würden wir sie selbst mit der Kamera aus unserer Augenhöhe fixieren: Ein demokratischer Blickpunkt, der Nähe schafft.

Aufzählung Ausstellung

Zoe Leonard. Photographs
Matthias Michalka (Kurator)
Mumok
Tel. 01/52500
bis 21. Februar

Printausgabe vom Freitag, 04. Dezember 2009

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