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Kunstberichte
54. Biennale von Venedig: Vom nationalistischen zu einem weltoffenen Ausstellungsformat

Wettstreit der Illuminationen

Der 
österreichische Pavillon auf der "Biennale di Venezia" – 1934 
nach Plänen von Josef Hoffmann (1870– 1956) errichtet. Foto:  Thomas 
Kraetschmer / BMUKK

Der österreichische Pavillon auf der "Biennale di Venezia" – 1934 nach Plänen von Josef Hoffmann (1870– 1956) errichtet. Foto: Thomas Kraetschmer / BMUKK

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Die Kunstbiennale mit "Illuminations" von 4. Juni bis 27. November.
Aufzählung Ausstellung von Kunst als Leistungsschau der einzelnen Länder.

Venedig. Als die erste Biennale in Venedig 1895 eröffnete, ahnte noch niemand, dass dieses Ausstellungsformat sich in weniger als 100 Jahren bis Sydney, Tokyo und 2006 auch Singapur ausdehnen sollte – mit offener Entwicklung. Das politische Signal "vorurteilsfreier Entwicklung des Geistes" im Sinne der Aufklärung begleitet die "Kunst als eine der wertvollsten Elemente der Zivilisation" in "brüderlicher Vereinigung aller Völker" schon in der Ankündigungsrede des venezianischen Bürgermeisters von 1894.

Aufzählung Markus Schinwalds minimale Eingriffe

Mit "Völker" waren nur Europäer und Amerikaner angesprochen. Es war eine elitäre Etablierung der Vorstellung, was Kunst ist, durch eine "Erste" gegenüber einer noch ausgeschlossenen "Dritten Welt".

Kunst als Spiegel der Politik

Wie Sabine Vogel in ihrem Buch über die Biennalen ausführt, schlossen 1907 und 1932 die USA mit der Corcoran- und der Whithney-Biennale in Washington und New York an die venezianische Vorgabe an. 1951 brachte sich Brasilien mit der bis heute geschätzten São-Paulo-Biennale ein. 1965 versuchte der bis dahin verschmähte kommunistische Osten mit der Rostock Biennale zu punkten und 1983 kam ein heftiger Akzent gegen die "Westkunst" mit der Biennale in Havanna. Die beteiligten Künstler aus Lateinamerika und Afrika schüttelten die Dominanz ab, Kunst blieb trotzdem Spiegel der jeweiligen politischen Verhältnisse. Ein Versprechen auf "Weltbürgertum" entfaltete sich nach dem "Kalten Krieg" und so ist es auch kein Zufall, dass ab 1989 die Biennalen von etwa 30 auf derzeit 150 in 52 Staaten angestiegen sind.

Die Biennale von Venedig geht mit wenigen Unterbrechungen in ihre 54. Runde, nach wie vor sind ländereigene Pavillons und Kommissäre Usus, auch wenn neue Statuten diskutiert werden. Leiterin Bice Curiger gibt heuer als Generalthema "Illuminations" vor.

Begonnen hatte der politisch unabhängig propagierte Anspruch von Kunst vieler Nationen nahe dem antiken olympischen Gedanken des Wettstreits. Allerdings war und ist das wirtschaftliche Interesse der Staaten durch den mit der Schau verbundenen Massentourismus groß. Italien hatte 1895 den Verlust seiner Kolonien in Afrika zu beklagen, neu etablierte Staaten blieben daher noch lange ausgeschlossen.

Im ersten Jahr gab es eine Gemeinschaftsschau im neoklassizistischen Bau des Architekten Enrico Trevisanato in den "Giardini", die Jury war rein italienisch besetzt. 224.000 Besucher erlebten einen ersten Skandal durch Rückweisung von Giacomo Grossos Bild "Das letzte Treffen" – nackte Mädchen, die um einen Sarg tanzen. Das galt vor allem klerikalen Kritikern als ebenso anstößig wie 1905 Max Liebermanns "laszives" Paar "Samson und Delilah". Ab 1907 errichteten einzelne Staaten Pavillonbauten, es begann mit Belgien, 1909 folgten England, Ungarn und Deutschland, 1912 Schweden und Frankreich, die USA erst 1930. 1934 war es auch für Österreich soweit mit seinem Pavillon von Josef Hoffmann. Jedoch musste schon 1938 in den deutschen Pavillon umgezogen werden, den die Nationalsozialisten mit dorischen Säulen und der Aufschrift Germania "zierten". Hoffmanns Pavillon sollte ein anderes Land bekommen; erst 1948 kam es zur ersten Nachkriegsbiennale mit zögerlichem Anschluss an die Moderne: Impressionisten und Kubisten, von deutscher Seite eine Wiedergutmachung mit Max Beckmann und Ernst Barlach.

Krise in den 60er Jahren

Trotz neuer Pavillons von Alvar Aalto für Finnland, Schweden und Norwegen oder Carlo Scarpa für Venezuela kam es auch durch Gründung der "documeta" 1955 in den 60er Jahren zu einer Krise.

1976 schaffte die 37. Biennale von Venedig eine Reformierung in Richtung Gegenwartskunst – damals vertrat Joseph Beuys Deutschland und Österreich schickte Rudolf Hoflehner, Rudolf Kedl, Reimo Wukounig und Wolfgang Walkensteiner. 1995 kam dann ein Pavillon für Süd-Korea dazu.

1999 kritisierte Rirkrit Tiravanija das System nationalistischer Pavillons, indem er einen thailändischen Pavillon als Plattform zwischen "bombs and butter" (USA und Dänemark) konstruierte. Es war dies die 48. Biennale unter dem Motto "Aperto over all", Leiter waren bislang Achille Bonito Oliva, Germano Celant oder Harald Szeemann, die Biennale hat sich längst auf Kirche, Paläste und öffentliche Plätze der Stadt ausgedehnt.

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Aufzählung Website Biennale Venedig 2011

 

Printausgabe vom Donnerstag, 27. Jänner 2011
Online seit: Mittwoch, 26. Jänner 2011 19:01:00

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