derStandard.at | Kultur | Kulturpolitik vor der Wahl
Newsroom | Politik | Investor | Webstandard | Sport | Panorama | Etat | Kultur | Wissenschaft

05.11.2002 19:40

Morak oder Minister mit Masterplan
Letzter Teil der Wahl-Serie im STANDARD nimmt sich der Kulturpolitik an: Kunst-und-Kultur-Ministerium? Ja oder Nein

Das mit Bundesmitteln finanzierte "Weißbuch zur Reform der Kulturpolitik" forderte 1999 unter anderem die Schaffung eines umfassenden Kunst-und-Kultur-Ministeriums. Grüne und SP greifen diesen und manch anderen Vorschlag auf, die VP will den bisherigen Weg fortsetzen.




Wien - Die "kulturpolitische Schadensbilanz von Schwarz-Blau" sei, postuliert die SP- Zeitschrift Am.Puls in ihrer jüngsten Ausgabe, lang. Von "allen Seiten" würde es Vorwürfe hageln. "Höchste Zeit" sei es daher für einen Wechsel. Und Alfred Gusenbauer, der Vorsitzende, habe bereits "konkrete Pläne": Die SP würde (wie die Grünen) ein Ministerium für Kunst, Kultur und Medien schaffen, in dem alle Kulturkompetenzen zusammengeführt werden. Dieses ist daher ein "Kunstministerium mit Kompetenz" - und sei der "Masterplan für Kultur".

Nicht erwähnt wird, dass es die SP war, die einst das Kunstministerium aufgab: Kanzler Viktor Klima erklärte die Kunst zur "Chefsache" - und betraute einen Staatssekretär, Peter Wittmann, mit ihr. Die Wogen gingen damals, 1997, hoch. Von allen Seiten hagelte es Vorwürfe. Auch von SP-Seite. Die Künstler protestierten. Sie demonstrierten sogar - just als Österreich den Vorsitz in der EU übernahm.

Um die Künstler zu besänftigen, ließ Klima ein Weißbuch zur Reform der Kulturpolitik in Österreich erstellen. Dieses zeigte klar auf, zu welchen Fehlentwicklungen es nach drei Jahrzehnten SP-Kunstpolitik gekommen war. Und wo Handlungsbedarf bestand. Zur Umsetzung gelangte der Katalog aber nicht mehr.



Gusenbauers "Masterplan" greift nun auf die Forderungen des Weißbuchs, das kaum an Aktualität verloren hat, zurück: Künstlersozialversicherung, mehrjährige Förderzusagen, steuerliche Maßnahmen etc. Die einstige Kritik an der SP-Kulturpolitik wird somit aber gegen die angeblich "rückwärtsgewandte Politik" der VP der letzten zweieinhalb Jahre ins Treffen geführt.

Das mutet etwas sonderbar an. Denn obwohl Moraks Schmalspurversicherung bloß ein Pensionszuschuss ist: Wittmann war nicht einmal ein solcher geglückt. Gegen mehrjährige Förderzusagen hatte sich die SP gesträubt: Die ersten wurden unter VP-Kulturstadtrat Peter Marboe in Wien unterzeichnet. Und Morak, der viele kritikwürdige Entscheidungen fällte, brachte es durch, dass Künstler ihre mitunter sehr schwankenden Einnahmen auf drei Jahre verteilt veranlagen dürfen.

Selbst die permanent kolportierte Radikalkürzung des Kunstbudgets unter VP-Führung stimmt nicht ganz: Nach einem bitteren Jahr 2000 (mit 78,9 Millionen Euro) standen 2001 rund 108,8 Millionen zur Verfügung - so viel wie nie zuvor. Zudem war es bereits 1998, also unter SP-Zuständigkeit, zu einer Budgetreduktion gekommen. Im Weißbuch war zu lesen: "Zahlreiche Kulturinitiativen, Institutionen oder Organisationen, die mit erhöhten Fixkosten konfrontiert sind, werden (...) in ihrer Existenz bedroht."

Bemerkenswert erscheint auch der Stellenwert, den die SP dem "Masterplan" bei misst: Während die VP "Kunst, Kultur & Medien" in ihrem Programm ein eigenes Kapitel widmet und Vorhaben zu allen Bereichen auflistet, verstecken die Sozialdemokraten "Kultur und Kunst" im Kapitel "Für ein demokratisches und weltoffenes Österreich". Die Stichwörter Museen, Bibliotheken, Denkmalschutz sucht man vergeblich.




Die Grünen zumindest, die für eine eher unrealistische Anhebung des Kunstbudgets (eine weitere Forderung des Weißbuches) plädieren, möchten sich mit der Museumslandschaft beschäftigen. Kaum konkrete Ideen haben die Freiheitlichen. Schon vor Wochen ist ihnen ihre Kultursprecherin abhanden gekommen. Es fiel niemandem auf. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.11.2002)


Newsroom | Politik | Investor | Webstandard | Sport | Panorama | Etat | Kultur | Wissenschaft

© derStandard.at
2002