In einer auf das Wesentliche
reduzierten Ausstellung zeigt Jeff Wall 25 auratisch leuchtende
Fotoarbeiten.
Als Jeff Wall 1978 begann, großformatige
Fotografien auf innen beleuchtete Boxen zu montieren, hatte der 1946
in Vancouver Geborene bereits eine Vergangenheit in der Konzeptkunst
und als Kunsttheoretiker hinter sich.
Wenn in der soeben
eröffneten Ausstellung im Wiener Museum moderner Kunst gleich zu
Beginn, überaus prominent, eine fünf Meter lange, 1994 entstandene
Leuchtbox mit dem Titel „Restoration“ zu sehen ist, dann macht das
durchaus Sinn – kondensieren sich hier doch wesentliche
Bedeutungsebenen, die im gesamten Werk von Wall eine Rolle spielen.
Von einem leicht distanzierten Standpunkt aus fotografierte er die
Restaurierungsarbeiten an einem Rundpanorama, einem
Unterhaltungsmedium des 19. Jahrhunderts, das zu den Vorläufern des
Films gezählt wird. Wall denkt in dieser Arbeit vielschichtig über
Mediengeschichte, den Umgang mit Bildtraditionen, Momente der
Kontemplation, Formen der Narration und der Inszenierung nach.
In seinen sorgfältig arrangierten Tableaus verwendet der
Künstler klassische Kompositionsschemata, die den Betrachter häufig
förmlich ins Bild hineinziehen. Dieser Rückgriff auf eine
zentralperspektivische Tradition stellt gleichzeitig einen Bruch mit
der Tradition der Avantgarde dar, ebenso wie die Erzählung, die
wiederaufgenommen wird. Enigmatische Situationen entstehen, wenn
etwa in Walls wohl bekanntester Fotografie „Milk“ ein vor einer
Mauer sitzender Mann Milch verschüttet, und zwar so, dass der
Milchschwall genau im richtigen Moment von der Kamera eingefangen
wird, das Foto so eine skulpturale Qualität bekommt. Oder „Man with
a Rifle“: Ein Junge schießt von einem Parkplatz aus mit einem
unsichtbaren Gewehr auf eine Baulücke – eine Anspielung auf das
Medium Fotografie selbst.
Parallel zu diesem auf die
Millisekunde exakten Erfassen von entscheidenden Zeitpunkten finden
sich kontemplative Situationen: eine Bauchrednerin mit Puppe, der
gespannt eine Gruppe von Kindern zuhört. Der Barcelona-Pavillon von
Mies van der Rohe im Morgenlicht, während ein Mann die Fenster
putzt.
Es ist diese Ambivalenz zwischen Kontinuität und
Zeit-Schnitten, die Walls Arbeiten so spannend macht. Die von Achim
Hochdörfer kuratierte Ausstellung wird dem gerecht durch eine
Hängung, die nicht streng der Chronologie entspricht: Sie
konstatiert nicht unbedingt eine lineare Entwicklung, sondern macht
vielmehr in der Gegenüberstellung die Komplexität dieses Werks
fassbar.
Jeff Wall:
Photographs. Bis 25.5.,
Museum moderner Kunst, Museumsquartier, 1070 Wien