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12.12.2003 - Kultur&Medien / Ausstellung
Bilder: Klassische Verführung
Warum gehen wir eigentlich in Ausstellungen? Weil wir neugierig sind. Weil wir unsere Augen laben wollen. Oder unseren Intellekt trainieren. Weil wir verführt werden wollen. Und süchtig sind – nach Bildern aller Art.

Umfassend und in vielerlei Facetten stillt das Bedürfnis nach Bildern „Paris 1945 bis 1965“, das letzte große Ausstellungsprojekt von Lentos-Direktor Peter Baum, bevor er sich mit April 2004 in den wohlverdienten Ruhestand zurückzieht. Ganz auf ihre Rechnung kommen hier die Freunde von Fotografie, Malerei, Plastik, Zeichnung, Film – und natürlich von Paris. Im Mittelpunkt der Ausstellung, zu der im City Kino ein attraktives Filmprogramm gezeigt wird, steht Paris als Weltstadt der Kunst und wohl einflussreichste Impulsgeberin für die künstlerische Entwicklung in der Nachkriegszeit. Wie ein Magnet zog die Stadt Künstler aus aller Welt an. Aus der Begegnung der Generationen, der Vertreter der Klassischen Moderne und der jungen Avantgardisten, entstand ein immenses Kräftefeld, das weit über die Grenzen Europas hinaus wirkte. Die Künstlerliste ist lang, zu sehen sind unter anderem Arbeiten von Arp, Chagall, Dubuffet, Ernst, Giacometti, Matthieu, Saura, Tàpies, Wols.

In den 60ern verlor Paris allerdings seine Vormachtstellung, und New York wurde zur Kulturmetropole. Mit Eva Hesse (Kunsthalle Wien) und Sol Lewitt (Kunsthaus Graz), beide bedeutende Vertreter der Minimal-Art, werden in monografischen Ausstellungen stellvertretend zwei Ikonen der US-Kunst vorgestellt, deren Arbeit den radikalen Anspruch der New Yorker Szene dieser Jahre reflektiert.

Während die Kunst der Nachkriegszeit ein kunsthistorisch abgesegnetes und damit weitgehend abgeschlossenes Kapitel darstellt, strahlt die amerikanische Kunst der zweiten Jahrhunderthälfte bis heute – und wohl noch etwas länger – aus. Davon ausgehend spannt die Jahresausstellung des „Kunsthaus Mürz“ einen schönen Bogen bis in die Gegenwart. So stehen mit Robert Smithson und Dennis Oppenheim Arbeiten zweier Landart-Künstler am Anfang der Schau „Natur/Geschichte“. Sie eröffnen eine konzeptuell-kritische Auseinandersetzung mit dem Naturbegriff, die im Kern bis heute (und wohl länger) anhält. ­Etwa bei Candida Höfer, die in ihren Fotografien Zoos als Form eines Ordnungssystems interpretiert. Oder Lois Weinberger, der in seiner Arbeit Randgebiete erforscht, an denen sich Naturlandschaft und urbaner Raum durchdringen. 

Apparatekunst. Um die Psyche im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit geht es in einer spannenden Themenschau des Kunsthauses Bregenz. Unter dem Titel „Remind…“ präsentiert das KUB Film- und Video-Arbeiten rund um die Darstellung von Erinnerung. In ihrer Intensität und Aufgeladenheit verwandeln die Arbeiten von Eija-Liisa Ahtila, Tacita Dean, Anri Sala und Jane & Louise Wilson das KUB zu einer regelrechten Bühne der Emotion.

Geheimnisvoll geben sich derweil die Generali Foundation und die Grazer Camera Austria, was kommende Projekte betrifft. „Dass die Körper sprechen, auch das wissen wir seit langem“, schmeißt die Ausstellungshalle des Versicherungskonzerns mit dem anspruchsvollen Kunstprogramm etwas besserwisserisch in die Menge. Aha! Warum sich hinter Arroganz verstecken? Weil es etwa nicht mehr en vogue ist, Ausstellungen über den Körper in der Kunst zu veranstalten? Fest steht, dass es um die Sprache des Körpers – also seine Gesten – gehen wird. Doch von welchen Künstlern oder Künstlerinnen es in der Schau etwas zu sehen gibt, wird noch nicht verraten.

Also: Wir haben kein Problem mit sprechenden Körpern und finden auch, die Ausstellungshäuser können sich mit diesem großen Thema weiter befassen, wenn es nur gut aufbereitet wird. Und davon kann bei der Generali Foundation ja allemal ausgegangen werden.

Bedeckt hält sich auch die mit ihren Räumlichkeiten glücklich ins Grazer Kunsthaus übersiedelte Camera Austria, verrät nur, dass im Anschluss an die aktuelle Pierre Bourdieu-Ausstellung junge Künstlerinnen präsentiert werden. „Der Widerstand der Fotografie“ thematisiert die Eigenschaft des Mediums, dass es sich – wenn künstlerisch eingesetzt – nicht bloß auf technische oder ästhetische Aspekte reduzieren lässt, sondern als eine Form visuellen Denkens immer auch zeitgenössische Kultur befragt. Wie etwa in der Fotokunst Noguchi Rikas, deren strenge Kompositionen zur Zeit in der Galerie der Stadt Schwaz zu sehen sind: die Japanerin thematisiert darin inhaltliche Ideen mit den Methoden der Dokumentarfotografie.

Kamera als Skulptur. Oder Georg Winter. Allerdings fokussiert der Deutsche mit den von ihm gegründeten „Ukiyo Camera Systems“, sozusagen partout das Kamera-Objekt, mithin also auch die Technik. Seit 1990 bietet Winters Entwicklungsbüro Foto- und Videogeräte an, die dazu dienen, die Körperhaltung bei Aufnahme- und Wahrnehmungssituationen zu präzisieren. Vom Design her sind diese Apparate ganz proper tiefschwarz (obwohl, Herr Winter, neuerdings auch Silber als Farbe für Kameras im Kommen ist!). Ihr Material ist aber edles Holz – wie im 19. Jahrhundert. Die Kamera wird somit primär zu einer Skulptur, die die Beziehung zwischen Mensch, Technik, Wahrnehmung sichtbar macht.

Das Mäntelchen des Mäzens legt Georg Winter schließlich am Eröffnungsabend seiner Ausstellung im Salzburger Fotohof an, wenn er den UCS Golden Camera Award an den Schweizer Stefan Burger verleiht. Der Gedanke, visuelles Denken mit Apparaten umzusetzen, ist selbstredend kein neuer, sondern stellt, seit es apparative Kunst gibt, eine künstlerische Herausforderung dar. Das gilt nicht nur für das Medium Fotografie, sondern auch für das des Films. Hie wie da wird die Kamera zur Schnittstelle zwischen Auge und Umgebung. In den 60er- und 70er-Jahren begannen die Künstler, nicht zuletzt unter dem Einfluss von Pop-, Minimal- und Konzept­kunst, die Grenzen zu erweitern und den Film als Bildmedium zu verwenden. Dem geht „X-Screen“, die erste große Sonderausstellung des MUMOK seit seiner Übersiedlung ins Museumsquartier, nach. Erstmals wird dieses Kapitel der Kunst- und Mediengeschichte umfassend aufgearbeitet.

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