Der Ankauf der Museen wurde groß gepriesen und die Sponsorentätigkeit
von Stadt Wien, Bund und Unternehmen gelobt. 17 Prozent mehr Besucher sind
für die Veranstalter Zeichen, dass die Kunstmesse angenommen wird und die
Qualität stimmt.
Der Osten Europas war – gemäß der Tradition der Stadt und der Zukunft
der EU – wichtiger Bestandteil und wurde mit dem Galerienpreis, der an
eine junge Warschauer Kritik ging, hervorgehoben.
Unglaublich beinahe, dass neben Kulturpolitikern wie Staatssekretär
Franz Morak auch Alfred Gusenbauer den Weg zur Preview ins Messezentrum
fand. Vielleicht handelt es sich ja um den Versuch, seine Partei wieder
mit der Gegenwartskunst zu versöhnen.
Vielleicht war die Solidarität mit der Hetzkampagne gegen die 25Peaces
zu Beginn der EU-Präsidentschaft doch nicht so opportun?
Interessant wäre, ob es in naher Zukunft einer Regierung endlich
gelingt, Kunstankäufe als Steuerabschreibungen durchzusetzen. Dann wären
nicht nur weniger Subventionen nötig, die ganze Kunstförderung könnte ein
neues Gesicht bekommen.
Vielleicht würde sich sogar die Kunst ändern. Doch damit hat sich schon
Hannes Androsch nicht durchgesetzt.
Liest man die Erfolgsmeldungen, muss sofort die Frage gestellt werden,
ob es nicht immer nur die großen Namen sind, die gebucht werden? Natürlich
wird ein Museum kaum Unbekannte aus dem Süd-Osten ankaufen. Was eigentlich
schade ist, denn jetzt ist diese Kunst noch günstig zu haben. Haben die
von dort eingeladenen Galerien also wirklich gut verkauft?
Das wage ich zu bezweifeln und auch bei ihren Wiener Kollegen sah man
nicht nur freudige Gesichter. Manche waren sogar auf die Aufmerksamkeit
der Neuen aus dem Osten neidisch.
An der Spitze der Verkaufslisten standen mit Norbert Bisky, Alois
Mosbacher, Herbert Brandl, Peter Kogler oder Valie Export jedenfalls nur
bekannte Namen – man könnte Thomas Stimm, Katharina Grosse, Sonja Gangl
oder Carola Dertnig gleich danach als größere Überraschungen nennen. Junge
Kunst ist offenbar, auch bei geringeren Preisen, immer noch schwer zu
verkaufen.
Noch mehr, wenn die Namen noch nicht am internationalen Markt vorkamen.
Wie bei Aktien wird da lieber mit Sicherheit agiert. Mit Risiko Jahrzehnte
vorausdenken will fast keiner. Fazit: Die wahren Kunstsammler sind in
Österreich immer noch rar.
Mittwoch, 12. April
2006