Sein Vater war der Maler Kurt Kocherscheidt (1943–1992), seine Mutter ist die Fotografin Elfie Semotan – hat man da eine Chance, nicht Künstler zu werden? „Mein Vater hat mir sogar immer schwer davon abgeraten“, sagt Ivo Kocherscheidt. Dass der 1974 geborene Wahl-New-Yorker jetzt trotzdem mit Fotoarbeiten in der Wiener Galerie Senn gelandet ist, war auch eher „last minute“, eine Künstlerkarriere ist nicht geplant. Ursprünglich hat Kocherscheidt Geschichte und Politik studiert, dann Tauchen zu seinem Beruf gemacht – „Ich hasse Hobbys“ – und Unterwasserfotografie studiert. Mit diesem Traumjob verdient er sein Geld, arbeitet u. a. für „Mare“, „Geo“: „Es gibt weniger Konkurrenz als in der Mode, man ist ganz allein unter Wasser, es gibt keine Diskussionen über das Catering oder Equipment.“
„Ganz allein“ stimmt natürlich nicht – Kocherscheidt versucht, das Meeresgetier sogar zu porträtieren: „Die Persönlichkeit von Tintenfischen und Seelöwen herauszuholen ist mir wichtiger als der rein wissenschaftliche Standpunkt.“ Was darunter zu verstehen ist, sieht man in der Ausstellung, die wie ein ironischer Kommentar zur bevorzugten Schwarz-Weiß-Technik Kocherscheidts „rosé“ heißt: Die lebensgroße Heliogravur eines Kalamaren etwa fokussiert auf das Auge – „diese Intelligenz ist einfach atemberaubend“. Für das zugrunde liegende Foto musste sich Kocherscheidt ins Kettenhemd werfen: „Die zerlegen einen sonst, das sind extrem aggressive Viecher.“ Als Analogie auf den Kunstmarkt ist das nicht gedacht. Aber als kommerzieller Fotograf wird Kocherscheidt einen schweren Start haben. „Jetzt bin ich zwischen den Fronten“, weiß er.
Vernissage heute, Donnerstag, 19 Uhr. Schleifmühlg. 1a, Wien 4.
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