VN Sa, 2.2.2002

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Kultur 

"Es gibt keine Kluft zwischen Leben und Bild"

Markus Prachensky mit neuen Arbeiten in der Galerie am Lindenplatz in Vaduz

Vaduz (VN-ag) Noch bevor im April im Oberen Belvedere in Wien die große Retrospektive anlässlich des 70. Geburtstages von Markus Prachenksy eröffnet wird, widmet die Galerie am Lindenplatz in Vaduz dem bekannten österreichischen Maler eine Ausstellung.

Zahlenmäßig stehen diese Arbeiten aus den vergangenen fünf Jahren im Mittelpunkt. Sie zeigen, dass Prachensky noch kein bisschen reise- und malmüde geworden ist. Doch setzt die Schau mit einer Inkunabel aus dem êuvre des 1932 in Innsbruck geborenen, in Wien lebenden Künstlers ein, entstanden just in jenem Jahr, als Prachensky in seinem Manifest der Malerei deklarierte: "Ich sehe die Möglichkeiten unserer Malerei (¼) in einer Gestaltung aus durch äußerste Konzentration gewonnenen Intuitivkräften und in dem Aufspüren, Ertasten und Finden geistiger Realitäten außerhalb der drei Grunddimensionen."

Weltreise in Bildern

"Rouges différents sur noir - Liechtenstein" nennt sich das Bild von 1956/57. "Liechtenstein" nicht etwa als Vorwegnahme des späteren Ausstellungsortes. In der Liechtensteiner Straße war damals das Atelier Prachenskys. Mit dem dominanten Rot, das sich wie der sprichwörtliche Faden durch das gesamte Werk zieht, und dem dunklen Bildgrund leitet diese frühe Arbeit fast übergangslos zu den aktuellen Werken über. Noch immer sind sie geprägt vom kraftvoll-bewegten Duktus, von satten Farben und expressiven Gesten, und noch immer entstehen sie in Zusammenhang mit den häufig unternommenen Reisen des Künstlers. Titelgebende Namen wie "Luxor", "Hongkong" oder "California" lassen den Rundgang durch die Ausstellung fast zu einer Weltreise in Bildern werden. Was Markus Prachensky an diesen Orten einfängt und in seinen Werken auf Leinwand bannt, sind aber weder konkrete Stätten noch Ereignisse, schon gar nicht Derivate der "Wirklichkeit", als vielmehr vor Ort erlebte Sinneseindrücke. Prachensky: "Es gibt keine Kluft zwischen Leben und Bild. Das Auffinden von in der Natur Verborgenem, oder mehr noch das Schaffen von der Natur Ebenbürtigem ist nur dem möglich, der keinen Abstand lässt zwischen sich und der Malerei."

Nach kleinen, vor Ort entstandenen Skizzen, oft lange Zeit später, in den charakteristischen Farbbahnen und dem ausdrucksgeladenen Pinselstrich umgesetzt, hat das innerhalb einer Serie immer wieder neu variierte und komponierte Verhältnis von Farbe und Form fast schon etwas Musikalisches an sich.




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