| "Schamloses Projekt" | |
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"Wir haben unsere Geschichte aufgearbeitet", verteidigt Christoph Mundt, Ärztlicher Direktor der Uni-Psychiatrie Heidelberg, das Museum für die Prinzhorn-Sammlung. |
In Heidelberg wird am Donnerstag ein
eigenes Museum für die Prinzhorn-Sammlung von Kunst psychisch kranker Menschen
eröffnet. Mit dem Museum werden etwa 5.000 Kunstwerke aus psychiatrischen
Anstalten, die der Psychiater Hans Prinzhorn (1886-1933) nach dem Ersten
Weltkrieg sammelte, erstmals auf Dauer öffentlich zugänglich.
Gegen das Projekt hat eine Berliner Initiative protestiert, die der
Heidelberger Universitätspsychiatrie wegen ihrer NS-Vergangenheit das
moralische Recht an der Sammlung abspricht. Die Initiative warf der
Hochschule am Dienstag vor, in einem "schamlosen Projekt Beutekunst im
Hörsaal der Mörder" ausstellen zu wollen. Die Initiative beansprucht die
Bilder für eine geplante Euthanasie-Gedenkstätte in Berlin. "Geschichte aufgearbeitet" Die Universität wies die Kritik zurück. Gerade weil die Heidelberger
Psychiatrie im Dritten Reich eine Rolle im Euthanasieprogramm der Nazis
gespielt habe, sei Heidelberg der geeignete Ort für das Museum, sagte
Professor Christoph Mundt, der ärztliche Direktor der
Universitätspsychiatrie. Es sei nur angemessen, die Sammlung auch am "Ort des Schreckens"
auszustellen. Die Kritik der Initiative entzündet sich daran, dass der
frühere Heidelberger Psychiatriedirektor Carl Schneider einer der
Initiatoren des Euthanasieprogramms war, in dessen Rahmen 1940 und 1941
etwa 70.000 überwiegend psychisch kranke Patienten ermordet wurden. Werke im Vordergrund In dem Museum sollen die Werke selbst im Vordergrund stehen. Prinzhorn
sei auf der Suche nach der "Ursprünglichkeit" gewesen, sagte die
kommissarische Leiterin Bettina Brand-Claussen. "Diese Ursprünglichkeit
fand er in der Kunst der Anstaltsinsassen." Durch Prinzhorns Buch "Die Bildnerei der Geisteskranken" Anfang der
20er Jahre in der Kunstszene bekannt geworden, übte die Sammlung auf die
damaligen Avantgardisten großen Einfluss aus. "Dieser Impuls hat ungeheuer
viel in Bewegung gesetzt", so Brand-Claussen. Zur Diffamierung moderner Kunst In der Tat ähneln manche Werke von Paul Klee, Max Ernst und anderen
Klassikern der modernen Kunst sehr einigen Exponaten der
Prinzhorn-Sammlung. Die Nazis stellten Werke der Prinzhorn-Sammlung sogar
in ihrer Propagandaschau "Entartete Kunst" aus und nutzten sie, um die
moderne Kunst zu diffamieren. "Damit sollte im Analogieschluss gezeigt
werden, wer malt wie irre, ist auch selbst irre", sagte
Brand-Claussen. "Einfühlung in uns selbst" Direktor Mundt hingegen betonte den allgemeinen menschlichen Aspekt:
"Die Werke ermöglichen die bessere Einfühlung in uns selbst. Wir alle
erleben überwältigende Angstzustände, wie sie psychisch kranke Patienten
haben", sagte er unter Bezug auf die auch mehr als 80 Jahre nach ihrer
Entstehung oft verstörend wirkenden künstlerischen Angstvisionen der
Anstaltsinsassen. Damit könne das Museum auch zur Entstigmatisierung von
Psychiatriepatienten beitragen. | ||||