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derStandard.at | Kultur 
20. Juni 2004
23:23 MESZ
Der Aufruf ist eine Initiative der Europäischen Kulturstiftung (Amsterdam) und "EFAH - European Forum for the Arts and Heritage" (Brüssel), einer Plattform von rd. 70 in- ternationalen und nationalen kulturellen Organisationen in Europa. Er wurde u. a. von Erhard Busek, Jacques Delors, Karl-Markus Gauß, Jack Lang, Daniel Libeskind, I. K. H. Margriet, Prinzessin der Niederlande, Svetlana Slapsak, Richard von Weizsäcker und Peter Zilahy unterzeichnet.
 
Aufruf für ein kulturelles Europa
Mehr Mobilität und Kooperation

Kultur verbindet die Menschen in Europa. Wir haben gelernt, miteinander zu teilen, was wir gemeinsam haben, indem wir unsere Unterschiede schätzen. Die erweiterte Europäische Union der 25 hat erstmals gewählt. Nutzen wir diese Gelegenheit, um zu betonen: Unser wahrer Reichtum liegt in der kulturellen Vielfalt. Deren freier, uneingeschränkter Ausdruck bestätigt unsere kulturelle Unverwechselbarkeit in der Welt.

Doch kann die "immer mehr zusammenwachsende Union" nur von Bürgern geschaffen werden, denen es gelingt, eine Gemeinschaft aus Erinnerungen und Zielsetzungen aufzubauen. Wir brauchen mehr gemeinsame Projekte, die als Plattformen für wachsendes Vertrauen und gemeinsame Ziele sowohl den Erhalt des kulturellen Erbes als auch zeitgenössisches künstlerisches Schaffen und kulturelle Kooperation stärken.

Wir müssen europäische Öffentlichkeiten als Räume der Auseinandersetzung, Kritik, Diskussion und Kreativität herausbilden, die durch eine lebendige, grenzüberschreitende Medienlandschaft getragen werden. Wir müssen mehr und bessere Möglichkeiten schaffen für die Verbreitung kultureller Güter und für die Zusammenarbeit der im kulturellen Bereich Tätigen.

Ohne Vorurteile

Zum Zeitpunkt, da die Europäische Union um zehn Mitgliedstaaten erweitert wurde, geht es mehr denn je darum, jene interkulturellen Kompetenzen zu entwickeln, die uns dazu befähigen werden, voneinander zu lernen, jenseits von Stereotypen und Vorurteilen. Wir brauchen Bildungssysteme, die Kreativität und Fantasie unterstützen, wie sie für die Herausforderungen des Wettbewerbs unerlässlich sind, und die zugleich kulturelle Bürgerrechte und Emanzipation zum Nutzen der kommenden Generationen fördern.

All unsere europäischen Institutionen müssen sich der kulturellen Konsequenzen der von ihnen entschiedenen gesetzlichen Regelungen bewusst sein; wir setzen uns ein für einen sensibleren Umgang mit kulturellen Werten, Gütern und Dienstleistungen in Verhandlungen zu den internationalen Handelsabkommen. Die Einheit darf nicht zu einer "Festung Europa" führen: Unsere Europäische Union muss ihren globalen Verpflichtungen nachkommen und - vor allem auch mit ihren Nachbarn - einen wirksameren interkulturellen Dialog aufnehmen sowie eine Kultur der Partnerschaft und Gastfreundschaft entwickeln.

Um diese Ziele zu erreichen, benötigen wir eine klare, stimmige und angemessen finanzierte kulturelle Strategie - sowohl innerhalb der Union als auch hinsichtlich ihrer weltweiten Verpflichtungen. Diese Strategie muss die Politiken der Mitgliedstaaten der Union ergänzen und ihnen zusätzlichen Wert verleihen.

Gemeinsame Ziele

Anlässlich der Wahlen zum Europäischen Parlament und der erwarteten Annahme einer Europäischen Verfassung, fordern wir alle Europäerinnen und Europäer auf, die Bedeutung von Kultur für die Herausbildung der EU als einer Gemeinschaft von Bürgern, die durch gemeinsame Ziele verbunden sind, weiter zum Ausdruck zu bringen.

Wir fordern alle Europäer auf, zu bestätigen, dass sie sich einer europäischen Öffentlichkeit verpflichtet fühlen, die kulturelle Bürgerrechte unterstützt. Wir fordern sie auf, diese Überzeugung den Kandidatinnen und Kandidaten zum Europäischen Parlament wie auch den Entscheidungsträgern und meinungsbildenden Instanzen in den Mitgliedstaaten mitzuteilen.

Die zukünftigen Mitglieder des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission fordern wir dringend dazu auf, eine neue Strategie "kultureller Aktion" zu entwickeln, die Mobilität und Kooperation fördert, zu Kommunikation und Diskussion anregt und transnationale Netzwerke festigt - auf der Grundlage ausreichender Mittel aus dem EU-Budget, um all diese Ziele zu erreichen.
(DER STANDARD, Printausgabe vom 14.6.2004)


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