| diepresse.com | ||
| zurück | drucken | ||
|
| ||
| 27.09.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Museum: Silberne Wesen in einer alten Tenne | ||
| VON DENISE LEISING | ||
| 30 Großplastiken des Bildhauers Bruno Gironcoli haben im Tierpark Herberstein in der Oststeiermark eine feste Bleibe gefunden. Am Sonntag wurde das Museum eröffnet. | ||
|
An Andrea Herberstein gingen die Attacken der vergangenen Wochen nicht
spurlos vorüber. Das hat die Freude über das mit viel Verve umgesetzte
Vorhaben doch stark getrübt. Bruno Gironcoli aber ist selig. Für den von
Krankheit gezeichneten Künstler ging ein Traum in Erfüllung. "Er ist
glücklich über diesen Ort, die Präsentation, die Architektur", sagt seine
Frau Christine. Sie erinnert sich: Die langjährige Suche nach einem
Quartier für seine monumentalen Skulpturen war frustrierend. Die Stadt
Wien reagierte halbherzig, stellte desolate, ungünstig gelegene Standorte
in Aussicht. Auch in seiner Kärntner Heimat erging es dem Villacher nicht
besser. Der Plan, in der ehemaligen Erzaufbereitungsanlage Bad Bleiberg
ein Museum zu errichten, scheiterte. In der Steiermark wurde rasch gehandelt. Der frühere ORF-Intendant Emil Breisach hörte von Gironcolis (Raum)-Nöten. Er wandte sich an Schlossherrin Andrea Herberstein, die "nach einer kurzen Schrecksekunde" die Idee begeistert aufgriff. Im Grazer Architekten und Kunstsammler Hermann Eisenköck fand sie einen weiteren Mitstreiter, auch mit der Politik war sie sich schnell einig. Die auf drei Millionen Euro veranschlagten Baukosten teilen sich je zu einem Drittel Bund, Land und Andrea Herberstein, die ihren Anteil hauptsächlich über Privatsponsoren sicherte. Alles lief gut, vielleicht zu gut. Seit der Landesrechnungshof die Vergabe der Millionen-Subvention aus dem Ortserneuerungs-Topf anprangerte, ist das Privatmuseum massiv unter Beschuss. Die von der SP angeheizte Debatte um die Fördergelder hält weiter an. Mit dem Museum wird das Werk des großen Einzelgängers der
österreichischen Kunst spät, aber doch gewürdigt. Darüber herrscht
Einigkeit. Einig ist man sich auch, dass in Österreich nie ein derartiges
Bauvorhaben so schnell aus dem Boden gestampft worden ist. Von der Idee
bis zur tatsächlichen Vollendung dauerte es knapp ein Jahr. Neben dem
Museum gibt es auch ein Kunsthaus im ehemaligen Meierhof. Dort ist seit
Mai 2004 die Afrika-Sammlung des gelernten Goldschmieds und emeritierten
Professors der Akademie der Bildenden Künste in Wien zu sehen. Insgesamt
423 Masken, Figuren, Fetische hat Gironcoli in 35 Jahren zusammengetragen.
Wenige Schritte vom Kunsthaus und dem Sigmundsgarten
entfernt kann der Besucher in die fabelhafte Welt des Bruno Gironcoli
eintauchen. Hermann Eisenköck hat die 450 Jahre alte, denkmalgeschützte
Tenne mit der imposanten Dachkonstruktion behutsam adaptiert und deren
Authentizität gewahrt. Parallel an den Altbau wurde ein kistenförmiger,
auf Betonstützen ruhender Neubau angefügt, gemeinsam mit einem Quertrakt
bildet das Ensemble ein H - das Symbol für Herberstein. Insgesamt 2000
Quadratmeter Nutzfläche wurden für die bisher größte Gesamtschau aus dem
Lebenswerk des Künstlers geschaffen. Der Architekt - er will weitere Arbeiten Gironcolis in
einer Industriehalle in Gumpoldskirchen unterbringen - spricht von einer
"zurückhaltenden Architektur, die sich bewusst der Kunst unterordnet". Der
Bildhauer korrigiert: die Architektur ordne sich bei und meint es als
Kompliment. Über 20 bis zu zehn Tonnen schwere Exponate sind im ersten
Obergeschoß, kleinere Plastiken stehen im Erdgeschoss. Vier Abgüsse, auch
käuflich zu erwerben, stehen draußen. Als Kurator bringt Kunsthaus-Chef
Peter Pakesch die aus Gironcolis Lieblingsmaterial Polyester geformten
Objekte in Silber- und Goldfarben wirkungsvoll zur Geltung. Gironcolis riesige, maschinenähnliche, fremdartigen Wesen ähnelnden Gebilde entziehen sich dem einfachen Zugang. Ganz sicher handeln sie vom Wichtigen im Leben, von Geburt und Tod, von Leid und Gewalt, von Mutter und Kind, von Mann und Frau. Nach wie vor fasziniert den Künstler das Spiel mit den Formen. Das wäre seine Unterhaltung bei der Anfertigung, sagte er einmal. Damit will er erreichen, dass seine Gegenstände vieldeutig sind, man sie nicht einreihen kann. Dies ist ihm gelungen. |
||
| © diepresse.com | Wien | ||