Salzburger Nachrichten am 9. Juni 2006 - Bereich: Kultur
Niemals allein gehen

Unter dem Titel "Kino, Kunst und Kicken" wird Oberösterreich dank der Betreuung des O.K. Centrums in Linz zum Spielfeld zwischen Ball und Kunst.

BERNHARD FLIEHER LINZ, SALZBURG (SN). "Die Fußball-WM entzündet die Leidenschaften von Millionen", steht ganz sachlich im Pressetext. Was das bedeutet? Für die Welt vor den TV-Geräten und in den Stadien bedeutet das: Ab dem Anstoß zum Eröffnungsspiel wird gezittert. Es wird gejubelt und gebangt, geschrieen und mit letzter Hoffnung eine Verlängerung herbeigesehnt oder fiebernd der Schlusspfiff erbettelt. Beim O.K. Centrum für Gegenwartskunst in Linz sieht man darin die "beste Voraussetzung für ein groß angelegtes Kooperationsprojekt". Es trägt den Titel "Kino, Kunst und Kicken" und wurde gestern, Donnerstag eröffnet.

Auf dem "Spielfeld" Linz und auf den "Außenfeldern" Vöcklabruck, Freistadt und Wels wird während der Fußball-WM das Spiel und seine Begleiterscheinungen mit Mitteln der Kunst hinterfragt und dabei wird weit "über den klassischen Kunstraum" hinausgeschaut.

Die zentrale Ausstellung im O.K., spürt dem Phänomen des Fantums nach. Mit "You'll never walk alone" wurde als Titel ein Song von Gerry & the Pacemakers gewählt, der - bis heute als Hymne des FC Liverpool gesungen - zu den ersten Popsongs gehört, aus denen in den frühen 60er Jahren Schlachtgesänge gemacht wurden. In der Aussage, man werde nie allein gehen, spiegelt sich ein zentraler Punkt des Selbstverständnisses im Fan-Dasein. Das Fantum erlebte - vor allem durch die Globalisierung des Fußballs - erhebliche Veränderungen. Das Spannungsverhältnis zwischen Spiel und Zuschauern wird im O.K. in Kunst, Film und Dokumentation aufgearbeitet: Von den alltagskulturellen Ritualen der Masse über die Hooligan-Brandmarkung bis hin zur Verbürgerlichung in den "disneyfizierten" und hochgradig überwachten Entertainment-Arenen der Gegenwart.

Spektakulär (und teilweise schon bei der Ausstellung "Sport und Kult" vor zwei Jahren in Graz zu sehen gewesen) sind die Beiträge in der Local-Bühne Freistadt. Sie zeigen, wie das Spiel für den Bildschirm analysiert werden kann. Mit dem Schotten Roderick Buchanen, der Schweizerin Ingeborg Lüscher und dem Amerikaner Paul Pfeiffer werden Videobeiträge von drei Künstler/-innen gezeigt, die in den vergangenen Jahren unter anderem bei der Biennale in Venedig international Furore gemacht haben.

In der Ausstellungen in Vöcklabruck zeigen die drei oberösterreichischen Künstler Gert Trautner, Mario Sinnhofer und Chris Müller Arbeiten zum Thema Fußball. Das Konzept der Welser Ausstellung ist simpel: Überall herrscht ein Fußball-Overkill, dem mit einem großen Fußballhassbild von OL entgegengewirkt wird. Gezeigt wird unter anderem auch ein Bundesligafußballspiel, bei dem keine Spieler, sondern nur die Schiedsrichter zu sehen sind. Und weil es auch ohne Kicken gehen muss, wird das Linzer Programmkino Moviemento zur fußballfreien Zone, in der zahlreiche Erstaufführungen gezeigt werden Das O.K. in Linz fungiert bei den Veranstaltungen auf dem gesamtem Spielfeld als Betreuer und (Spiel-)Koordinator. Der dezentrale Charakter der Veranstaltung verweist auf eine kulturpolitische Zielsetzung. Gegenwartskunst soll als "wichtiger kultureller Faktor regional stärker ins Bewusstsein" gebracht werden. Das dezentral angelegte Konzept soll auch künftig eine wichtige Rolle spielen. Das O.K. werde auch in den nächsten Jahren verstärkt nach außen gehen. Bewerkstelligt werden soll das mit Eigeninitiativen aber auch mit Kooperationspartnern.Das Finale von Kino. Kunst und Kicken ist am 9. Juli.