Das kurvige Brunnenmodell im Leondinger Zentrum irritiert noch immer. Noch dazu, wenn sich zwei junge Frauen in weißen Mänteln an seiner Oberweite zu schaffen machen. Die Reaktionen der Leondinger lassen nicht lange auf sich warten. „Was machts denn ihr da?“, fragt eine ältere Dame neugierig. Aus dem ersten Stock des angrenzenden Stadtamtes wird das Wirken der beiden schon skeptischer beobachtet. „Habt ihr dafür eine Genehmigung?“, wird gefragt. Haben sie. Margit Kreinöcker und Betty Wimmer handeln im Auftrag. Die eine Bildhauerin, die andere Filmemacherin und Architektin, walten sie ihres Amtes als Kunstwünsche-Erfüllerinnen.
Gemeinsam mit Verena Schweiger, einer Kunstuni-Studentin für experimentelle Mediengestaltung hat sich das Trio anlässlich des Festivals „leonart09“ etwas Besonderes für die Leondinger überlegt. „Wir wollten den Menschen hier nicht einfach Ideen vor den Kopf setzen, sondern sie dürfen sich von uns ein Kunstwerk wünschen“, sagt Betty.
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das gilt auch für die Künstlerinnen. „Alles, was nicht genau vorgegeben ist, behalten wir uns vor“, sagt Margit Kreinöcker. „Der Leondinger Busenbrunnen soll schöner werden, damit er wirklich ein Kunstwerk wird“, lautete die Vorgabe im konkreten Fall. Die erste Assoziation, die den dreien am passendsten schien, griff auf das Tapp- und Tastkino von Valie Export, eine Kunstaktion von 1968 auf der Mariahilfer Straße in Wien, zurück. Aber nicht nur eine Verschönerungsaktion sollte es werden. „Wir wollten den Voyeurismus ausschalten und durchaus auch provozieren, so nach dem Motto: Greif rein, wennst dich traust“, sagt Margit Kreinöcker.
Breite Wunschpalette
Aber nicht nur der Busenbrunnen war ein Anliegen. Die Wünsche der Leondinger sind vielfältig und reichen von einem meterhohen Pferd über eine Mona Lisa in Blond bis hin zu einem Garten vorm Stadtamt oder dem Wunsch „Bringts dem Bürgermeister Brunner Kunst- und Kulturverständnis bei“. Wie sie letzteren Wunsch erfüllen werden, wissen Betty und Margit noch nicht: „Aber da fällt uns sicher noch etwas ein.“