Portrait

Ultrastalinist und sensibler Berserker

05. Dezember 2009, 22:46

Einer der wichtigsten zeitgenössischen Bildhauer Österreichs ist tot

Wien - Er galt als sensibler Berserker, bezeichnete sich selbst als "Fossil", "Steinzeitmensch" und "Untergrundmensch" und unterzeichnete Briefe gerne mit "Ultrastalinist". Mit Alfred Hrdlicka ist am Samstag, einer der wichtigsten zeitgenössischen Bildhauer Österreichs 81-jährig in Wien gestorben. Auch wenn sein Name aus dem Tschechischen übersetzt "Turteltaube" heißen soll, hat sich der Bildhauer, Zeichner, Grafiker und Maler nie als zahm und sanft erwiesen, weder in seinen Themen und in der Wahl seiner Materialien, noch in seinen Polemiken, mit denen sich der streitbare Realist und Kommunist in politischen Debatten zu Wort meldete.

Hrdlicka selbst hatte schon einige Zeit unter seinem gesundheitlich "bedenklichen Zustand", wie er es selbst nannte, gelitten. Bereits seit einigen Jahren konnte er nicht mehr eigenhändig an Skulpturen arbeiten, er habe sich "zu Tode geschunden", jede seiner dreidimensionalen Arbeiten habe er selber gemacht, wie er anlässlich seines 80. Geburtstags im Vorjahr erklärt hat. Dennoch plante der kontroversielle Bildhauer neue Projekte, etwa ein neues Werk auf dem Albertinaplatz.

Rechte Anfeindungen

Dieser Platz in der Wiener Innenstadt ist wohl untrennbar mit dem Namen Hrdlicka verbunden, seit dieser dort sein umstrittenes Denkmal gegen Krieg und Faschismus verwirklicht hat (1988/91). Die Aufstellung seiner Skulpturen im öffentlichen Raum war allerdings meist von heißen Diskussionen begleitetet: 1963 erregten sich die Gemüter in Salzburg, nachdem sein "Orpheus" für das Kleine Festspielhaus angekauft worden war. 1967 versammelte sich eine "Liga gegen entartete Kunst" zum Protest gegen das in Wien enthüllte "Renner-Denkmal" Hrdlickas. 1970 entstand für ein Evangelisches Gemeindezentrum in Westberlin der "Plötzenseer Totentanz". In Hamburg sorgte sein monumentales "Gegendenkmal" zum Krieger-Ehrenmal für heiße Diskussionen.

Wie sehr der Künstler polarisierte zeigte erst im Vorjahr wieder die Hrdlicka-Ausstellung "Religion, Fleisch und Macht - das Religiöse im Werk von Alfred Hrdlicka" im Wiener Dommuseum, das sich für die Schau Anfeindungen aus aller Welt gefallen lassen musste. Und Kardinal Christoph Schönborn bezeichnete Hrdlicka zwar als einen der bedeutendsten lebenden Künstler Österreichs, ließ aber dessen Version des "Letzten Abendmahls" prompt abhängen.

Studium bei Gütersloh, Dobrowsky und Wotruba

Alfred Hrdlicka wurde am 27. Februar 1928 in Wien geboren. Nach Absolvierung einer Zahntechnikerlehre begann er an der Akademie der bildenden Künste zunächst Malerei bei Albert Paris Gütersloh und Josef Dobrowsky zu studieren, ehe er mit Diplom als akademischer Maler in die Bildhauerklasse von Fritz Wotruba eintrat, um 1957 auch als Bildhauer akademische Ehren zu erwerben. Seiner ersten Skulpturenschau 1960 (gemeinsam mit Fritz Martinz) in der mittlerweile abgerissenen Zedlitzhalle in Wien folgten Ausstellungen im Wiener Künstlerhaus und in der Galerie Welz in Salzburg. 1964 war er Vertreter Österreichs bei der Biennale in Venedig. Professuren führten ihn an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart , die Hochschule für bildende Künste Hamburg, die Hochschule der Künste Berlin und schließlich 1989 an die Universität für angewandte Kunst Wien.

Es folgten zahlreiche internationale Ausstellungen und Auszeichnungen für den Zeichner und Grafiker Hrdlicka, der den leidenden und geschundenen Menschen in den Mittelpunkt seiner Zyklen stellt. "Alle Kunst kommt vom Fleisch", lautet ein immer wieder zitiertes Diktum Hrdlickas, für den Kunst, die sich nicht direkt mit dem Menschen und seinen Problemen befasst, zu Dekoration und Unterhaltung verkommt. Zu den bekanntesten und eindrucksvollsten Werken Hrdlickas zählen seine Arbeiten zur französischen Revolution, zum italienischen Regisseur Pier Paolo Pasolini oder zum Komponisten Franz Schubert.

Als Bühnenbildner arbeitete er u.a. in Bonn ("Faust I und II", 1982) und Stuttgart ("Intolleranza", 1992). Im Jahr 2001 stattete er Christine Mielitz' Inszenierung des "Ring des Nibelungen" in Meiningen aus. Weiters zeichnete er für die Ausstattung der Salzburger Festspielproduktion von Zemlinskys "Der König Kandaules" derselben Regisseurin verantwortlich. 2006 wurde in Bonn eine von Hrdlicka gestaltete Plastik des Komponisten Robert Schumann enthüllt, im Mai dieses Jahres wurde eine von Hrdlicka geschaffene Skulptur der 1998 seliggesprochenen Ordensfrau Schwester Restituta Kafka in der Barbarakapelle im Wiener Stephansdom aufgestellt. Ehrungen nahm Hrdlicka prinzipiell nicht an. (APA)

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20 Postings
Prostetnik Vogon Jeltz
06.12.2009 15:08
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Stalinist oder Kommunist - was jetzt?



Entweder - oder.

Das sollte sich schön langsam herumsprechen, wie ich meine... immerhin haben wir bald 2010...


irgendein/e posterIn 
06.12.2009 16:44
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wahrscheinlich ist das eh dasselbe

Heiner Bussy 
06.12.2009 22:36

eh klar

rosarum vallis
06.12.2009 11:20
Ich erinnere mich noch schmunzelnd an die zwischen HRDLICKA und

Arnulf RAINER (in der damaligen Wochenpresse) ausgetragene Polemik, in der sich die beiden in der Geringschätzung des jeweils anderen Werkes nichts geschenkt haben.

06.12.2009 10:02
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Ein für mich äußerst authentischer Mensch

der im wahrsten Sinne des Wortes "monumentales" Werk hinterlässt.
Es ist ihm zu wünschen, dass er als Atheist jetzt nach seinem Tod eine Überraschung erlebt...

06.12.2009 17:53
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Warum soll er jetzt nach dem Tod noch überrascht werden?

Ich denke Hrdlicke hats nicht so mit der körperlichen Unsterblichkeit, sein Werk bleibt ja: aber: "Wenn ich tot bin, mir soll mal Einer mit Auferstehung oder so kommen: ich hau ihm Eine rein!"

06.12.2009 09:16
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Die Zahntechniker Ausbildung dürfte einiges können.

The Firemage 
06.12.2009 03:39
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fred war kein stalinist!

er war marxist!

wer zum geier schreibt so einen scheis*?

Fillet of Soul 
06.12.2009 11:26
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er hat sich selbst so bezeichnet

hans graucher
06.12.2009 03:21
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Noch 1967 nannten die sich "Liga gegen entartete Kunst". Damals haben die alten und neuen Nazis noch nicht so elaborierte Anstrengungen unternommen ihre Gesinnung in der Oeffentlichkeit mit Ausdruecken wie "heimattreu" und dergleichen zu beschoenigen. Wahrscheinlich waren sie aber einfach nur ungeschickter. Der braune Sumpf ist aber immer noch gegenwaertig, wenn auch (wenig) besser getarnt.

Gerade deshalb waren Kuenstler wie Bernhard und eben auch - trotz aller Kontroversen - Hrdlicka so wichtig und ist daher auch das Fehlen legitimer Nachfolger so erschuetternd!

Franz Heitzendorfer
06.12.2009 00:39
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Klasser Typ!

Wien 1989:
Thomas Bernhard - Heldenplatz
Alfred Hrdlicka - Albertinaplatz
Sehr eindrückliche Erinnerungen an beide Ereignisse und das erinnernde einerseits und das grausliche Österreich andererseits.
Dankschön & Servas!

Jürgen Mayer 
06.12.2009 00:35
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Na ja

etwas mehr hätte da einem schon einfallen können... Vor allem zu seinem politischen Engagement - wenn das ein allgemein gehaltener Nachruf sein soll. Zum Beispiel wie er Lafontaine und Gysi in Deutschland zusammengebracht haben soll

die Großmutter
06.12.2009 11:45
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Soll das seine herausragendste Leistung gewesen sein ?

Jürgen Mayer 
06.12.2009 14:39

Nein

stefanie poley 
05.12.2009 23:36
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aufrecht

ich glaube, er war sehr ernst, sehr aufrecht - wunderschön.

Josef Neuhauser 
05.12.2009 23:26
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vielleicht sollte man den platz nicht nach

helmut benennen.

06.12.2009 05:27
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Das, was den Wert und die Bedeutung des Platzes ausmacht, steht schon dort - egal wie der Platz heißt.

06.12.2009 01:58
in der tat

05.12.2009 23:25
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Rotfront, Genosse...

..und danke!

Wilhelm Koldus
05.12.2009 23:08
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Danke

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